Welche Vorteile hat ein Privatanleger gegenüber einem Profi-Anleger?

Viele Privatanleger sind der Auffassung, dass es für den Erfolg an der Börse eine Unmenge an Wissen bedarf. Sie denken, dass der Anlageerfolg mit Wissen und Erfahrung linear zunimmt. Für das kurzfristige Spekulieren mag dieser Zusammenhang durchaus stimmen, da hier in der Tat einiges an Erfahrung erforderlich ist, um erfolgreich zu sein. Daher sollte ein Privatanleger die Spielwiese des kurzfristigen Denkens den Börsenprofis überlassen, da er hier in der Regel scheitern wird.

Natürlich schadet auch beim langfristigen Investieren Wissen und Erfahrung nicht, dennoch sollte ein Privatanleger nicht denken, dass er einem Profi-Anleger grundsätzlich unterlegen sein muss. Ganz im Gegenteil: Es gibt ausreichend Gründe, warum ein Privatanleger langfristig Erfolg haben kann und sich nicht vor einem professionellen Anleger verstecken muss. Dies bedeutet nicht, dass zum Beispiel ein Fonds-Manager keine Legitimation besitzt, allerdings sollte ein Anleger dann sehr genau auf dessen Strategie und langfristige Performance achten.

Vorteil 1: Der Privatanleger hat Zeit

Beim kurzfristigen Handeln ist Zeit entscheidend. Hier können Sekunden oder Minuten zählen, so dass ein Privatanleger dem Profi oder Computern grundsätzlich unterlegen ist. Auf der anderen Seite hat er den Vorteil, sich langfristig an hervorragenden Unternehmen zu beteiligen. Selbst kurzfristige Schwächephasen oder Kursrückgänge kann er aussitzen oder zum Nachkauf nutzen. Ein Profi kann dies nur bedingt, denn er muss in kurzen Abständen, spätestens am Jahresende Erfolge melden, um sich nicht selbst in Frage zu stellen.

Vorteil 2: Der Privatanleger muss keine Rechenschaft ablegen

Ein Profi ist häufig indirekt gezwungen, einem gewissen Herdentrieb zu folgen und bei Modetrends mitzumachen, um nicht am Ende der Konkurrenz hinterherlaufen zu müssen, wenn der Markt sehr stark gestiegen ist. So waren viele Profis gezwungen, Solaraktien, Internetaktien oder 3D-Drucker-Produzenten zu kaufen, obwohl die Preise massiv nach oben gelaufen waren. Keiner möchte sich von den Kunden nachsagen lassen, nicht dabei gewesen zu sein. Wenn dann der Absturz erfolgt, ist das Gejammer meist groß, aber zumindest lag man nicht alleine auf der falschen Seite. Ein Privatanleger kann sich jedoch von Trends frei machen und seinem eigenen Investmentstil folgen. Er kann seine Kauf- und Verkaufszeitpunkte frei wählen und muss nicht überall mitmachen.

Vorteil 3: Der Privatanleger kann auch gar nichts machen

Manchmal gibt es Marktphasen, in denen es durchaus ratsam ist, einmal gar nichts zu unternehmen und das Geschehen von der Seitenlinie aus zu verfolgen. So beispielsweise bei größeren Korrekturen oder auch schwindelerregenden Kursanstiegen. Ein Profi kann sich bei einer guten Bezahlung eine zu große Passivität nicht erlauben, da dann seine Vergütung und Verwaltungskosten in Frage gestellt werden. Ein Privatanleger kann jedoch einen geeigneten Kaufzeitpunkt wählen, kann viele Jahre an hochwertigen Unternehmen ohne Veränderung beteiligt bleiben und sich mit eigenen Entscheidungen sowie der nötigen Geduld langfristig ein Vermögen aufbauen.