Welche Cashquote sollte ein Langfristanleger in seinem Portfolio halten?

Die Frage dieses Beitrags lässt sich natürlich nicht pauschal beantworten. Sie hängt auch von der Risikoeinstellung und dem Anlagehorizont des Anlegers ab. Grundsätzlich sollte jedoch mit zunehmender Anlagedauer die Cashquote reduziert werden, da sich sonst die Rendite auf das Gesamtportfolio auf lange Sicht deutlich verschlechtert (siehe Rechenbeispiel unten). In der Theorie wäre ein Anleger sicherlich gut damit beraten, wenn er in Aufschwungphasen an den Kapitalmärkten einen Großteil seines Portfolios anlegt und eben nicht als Cash hält. Dagegen wäre die Handlungsempfehlung, kurz vor einer größeren Korrektur einen Großteil der Positionen zu verkaufen und zu warten, bis man wieder günstig einsteigen kann. Alles nach dem Motto: Kaufen am Tiefpunkt und Verkaufen am Hochpunkt.

Soweit zur Theorie! Die Praxis sieht bekanntlich aber anders aus, denn es gelingt keinem Anleger, systematisch die optimalen Ein- und Ausstiegszeitpunkte zu treffen. Meist kostet es einen Anleger sogar Rendite, wenn er auf günstigere Einstiegskurse hofft und tatenlos mit ansehen muss, dass der Markt davonläuft. Natürlich kann das Warten in einzelnen Fällen auch einmal gut gehen und man erwischt tatsächlich wesentlich günstigere Einstiegskurse, dennoch muss ein Anleger am Ende immer die Rendite auf das Gesamtportfolio betrachten. Hierzu soll sich der Anleger vor Augen halten, dass er mit einer ausgereiften Wachstums- und Dividendenstrategie bzw. einer passiven ETF-Strategie Renditen um die 8 Prozent pro Jahr auf lange Sicht erzielen kann. Trotz kurzfristig erheblicher Schwankungen wird sich seine Rendite über viele Jahre immer mehr diesem Erwartungswert annähern.

Ist der Anleger demnach zu 100 Prozent über einen langen Zeitraum permanent investiert, dann macht sein Gesamtportfolio zwar alle Schwankungen mit, wird aber am Ende vollständig mit einer langfristig zu erwarteten Rendite belohnt. Entschließt sich der Anleger dagegen dazu, die eine Hälfte seines Portfolios immer als Cash zu halten, so kann er nur mit der anderen Hälfte, die investiert ist, von Dividenden und Kurssteigerungen profitieren. Da der als Cash gehaltene Teil derzeit in seltenen Fällen mehr als 1 Prozent an Zinsen bringt, müsste er mit der investierten Hälfte eine durchschnittliche Rendite von 17 Prozent pro Jahr erzielen, um auf sein Gesamtportfolio die langfristig erwarteten 8 Prozent ( (17% + 1%) / 2 ) zu erreichen. Ein wohl eher illusorisches Ziel!

Zusammenfassend sollte daher die Cashquote bei langfristigen Anlagen sehr niedrig gehalten werden. Cash stellt langfristig eine „Pseudosicherheit“ zu Lasten der Rendite dar. Der Anleger nimmt dadurch realen Geldverlust in Kauf, da Inflationsraten nicht einmal erwirtschaftet werden können. Zudem ist Timing erwiesenermaßen kein langfristiger Renditebringer. Darüber hinaus fallen dann verstärkt Transaktionskosten und beim Verkauf auch Steuern an, wodurch Renditen zusätzlich geschmälert werden. Gegen eine kleine Cashquote von 5-10 Prozent ist sicherlich nichts einzuwenden, um bei stärkeren Kursrückgängen reagieren zu können. Auch können taktische Teilverkäufe bei überproportionalen Kursanstiegen hier und da in die Überlegung einbezogen werden. Dennoch sollte die Cashquote eine gewisse Schwelle nicht übersteigen. Zudem erhöht sich der Cashanteil alleine schon dadurch, wenn der Anleger jeden Monat aus seinem Gehalt eine bestimmte Sparquote für weitere Anlagen auf sein Depot einzahlt.