Was bedeutet Negativrendite bei Anleihen?

Mittlerweile ist es keine Seltenheit mehr, dass Staatsanleihen sehr guter Schuldner, wie z.B. Deutschland oder die Schweiz, eine so genannte Negativrendite aufweisen. In anderen Worten: Der Emittent einer solchen Anleihe wird für das eigene Schuldenmachen bezahlt. Das bedeutet nicht, dass der Käufer während der Laufzeit keinen Zins erhält. Diese so genannte Nominalverzinsung (auch Kupon genannt), die regelmäßig vom Emittent gezahlt wird, ist weiterhin positiv. Die Negativrendite ergibt sich dadurch, dass der Anleger heute mehr für die Anleihe ausgibt als er in Zukunft an Rückzahlungen erhält. Folgendes Beispiel soll diesen Zusammenhang aufzeigen:

Anleihebedingungen:
– Laufzeit: 3 Jahre
– Rückzahlungs- oder Nominalbetrag nach 3 Jahren: 1.000 Euro
– Jährliche Nominalverzinsung (Kupon): 3 Prozent bzw. 30 Euro

Der Anleger bekommt also drei Jahre lang jeweils 30 Euro an Zinsen und am Ende der Laufzeit den Tilgungsbetrag von 1.000 Euro. in der Summe erhält er über die drei Jahre eine Rückzahlung von 1.090 Euro. Wenn er nun aber heute beispielsweise 1.100 Euro für diese Anleihe ausgibt, dann bezahlt er quasi den Staat dafür, dass dieser sich Geld leiht.

In der Schweiz weisen mittlerweile alle Laufzeiten bis 10 Jahre eine Negativrendite auf. In Deutschland wird es wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis auch die zehnjährige Bundesanleihe negativ verzinst sein wird. Bei Laufzeiten bis zu acht Jahren ist diese Situation bereits auch bei deutschen Anleihen eingetreten. Die Anleger sind aufgrund der sehr guten Bonität dieser Staaten bereit, diesen Ausnahmezustand zu tragen, der vor allem durch die derzeitige Politik der Notenbanken begünstigt wird. Allerdings ergeben sich hieraus auch erhebliche Risiken für den Anleihegläubiger. Sollten die Zinsen wieder leicht nach oben drehen, können sich durch Kursrückgänge deutlichere Verluste für den Anleger ergeben. Daher stellt sich zurecht die Frage, ob der Kauf von Staatsanleihen mit höchster Bonität in einer durch die Notenbanken künstlich erzeugten Zinssituation noch ökonomisch sinnvoll ist. Anleihen mit einer Negativrendite werden vor allem durch große institutionelle Anleger, wie Versicherungen oder Fonds, gekauft. Da diese Anleger riesige Summen investieren müssen, haben sie aufgrund der Alternativlosigkeit und der Sicherheitsvorgaben häufig keine andere Möglichkeit als ihr Geld in Anleihen mit einer Negativrendite zu investieren.