Währungsrisiko bei Aktien: Welche Relevanz hat dieses für die Langfristanlage?

Ein häufiger Anlagefehler von Investoren besteht darin, vor allem Wertpapiere aus dem eigenen Heimatland zu kaufen –  im Allgemeinen als Home Bias bezeichnet. Unter Aspekten der Diversifikation ist es für einen deutschen Anleger keine optimale Lösung, ausschließlich auf heimische Aktien wie Daimler, Siemens & Co zu setzen. Warum das so ist, lesen Sie hier. Kauft er allerdings ausländische Aktien, stößt er auf ein anderes Problem: das Währungsrisiko. Was sich genau dahinter verbirgt und wie wichtig dieses Risiko für einen Langfristanleger tatsächlich ist, erklärt dieser Beitrag.

Was genau bedeutet Währungsrisiko beim Aktienkauf?

Ein Währungsrisiko entsteht für einen deutschen Anleger dann, wenn er Aktien von ausländischen Unternehmen kauft, deren Heimatbörse in einem Land mit einer anderen Währung als dem Euro liegt. Also zum Beispiel Aktien von Firmen aus den USA, aus der Schweiz oder aus Großbritannien. Beim Kauf von Aktien beispielsweise aus Frankreich entsteht demnach kein Währungsrisiko.

Kauft ein deutscher Anleger eine US-Aktie, so wird sein Euro-Konto belastet (sofern er kein Währungskonto in US-Dollar führt). Ein Beispiel: Die Aktie von Nike notiert aktuell bei rund 52 US-Dollar. Dies entspricht beim derzeitigen Wechselkurs (1 Euro = 1,12 US-Dollar) etwa 46,5 Euro. Pro gekaufter Nike-Aktie wird dem Anleger also 46,5 Euro vom Konto abgebucht.

Ein Kurs orientiert sich grundsätzlich immer an der Heimatwährung. Im Fall von Nike ist diese der US-Dollar. Entscheidend für die Entwicklung der Aktie ist demnach, wie Investoren in den USA den Dollarkurs nach oben oder unten handeln. Dieser Kurs wird dann lediglich in Euro gemäß des Wechselkurses umgerechnet.

Das Währungsrisiko besteht für den deutschen Anleger nun darin, dass der Euro aufwertet. Angenommen der Aktienkurs von Nike bleibt unverändert bei 52 US-Dollar und der Euro wird stärker (z.B. 1 Euro = 1,15 US-Dollar), so würde die Nike-Aktie nur noch knapp über 45 Euro notieren. Gegenüber den 46,5 Euro erleidet der Anleger einen Währungsverlust, obwohl sich die Aktie in US-Dollar nicht bewegt hat.

Währungsrisiken anhand von drei bekannten Währungsbeispielen

Welche Währungsrisiken sich für einen Europäer in den letzten Jahren konkret ergeben hätten, wird anhand von drei Unternehmen in jeweils unterschiedlichen Heimatwährungen (US-Dollar, Schweizer Franken und Pfund) dargestellt:

1. Nike:

nike-in-us-dollar-versus-euro

Der US-Dollar hat in den letzten drei Jahren deutlich gegenüber dem Euro an Wert gewonnen. Die Abwertung des Euros führte dazu, dass sich die Nike-Aktie in diesem Zeitraum in Euro um rund 75% verbesserte, während sie in US-Dollar „nur“ um 50% zulegte – ein signifikanter Renditeunterschied.

2. Nestle

nestle-in-schweizer-franken-versus-euro

Bei Nestle sieht das Bild sehr ähnlich aus. Auch der Schweizer Franken hat in den letzten drei Jahren gegenüber dem Euro aufgewertet. Daraus ergab sich eine bessere Entwicklung der Nestle-Aktie in Euro (rund 40%) als in Schweizer Franken (rund 25%).

3. British American Tobacco

bat-in-pfund-versus-euro

Bei British American Tobacco stellt sich die Situation genau spiegelverkehrt dar. Aufgrund des Brexit-Schocks letzten Juni hat das englische Pfund auch gegenüber dem Euro stark abgewertet. Die Folge ist, dass sich die BAT-Aktie in Pfund in den letzten 12 Monaten um ca. 30% entwickelte, während sie in Euro nur um 10% zulegte. Gerade in den letzten Wochen erzielten Euro-Anleger Währungsverluste in dieser Aktie.

Was bedeutet dies nun für eine langfristige Anlagestrategie?

Diversifikation bezieht sich nicht nur auf unterschiedliche Anlageklassen, Unternehmen oder Branchen, sondern auch auf unterschiedliche Währungen. Durch eine globale Streuung des Geldes werden automatisch viele verschiedene Währungen indirekt eingekauft, die sich gegenüber der Heimatwährung ganz unterschiedlich entwickeln. Am Ende gleichen sich viele Effekte gegenseitig aus. In den oben dargestellten Beispielen wären die Verluste im britischen Pfund durch die Gewinne im US-Dollar und im Schweizer Franken kompensiert worden.

Solange ein Anleger sein Geld in verschiedenen Währungsregionen breit streut, sollten Währungseffekte nur eine begrenzte Bedeutung bei einer Anlageentscheidung haben. Kurzfristig mögen sie die Rendite beeinflussen, langfristig gleichen sie sich zumindest in den stabilen Währungen in der Regel aus. Vielmehr ist die Qualität der zugrunde liegenden Unternehmen entscheidend. Denn letztendlich sind es die Unternehmen selbst, die aufgrund ihrer Geschäftsentwicklung die Aktienperformance über viele Jahre bestimmen und nicht die zugrunde liegenden Währungen.

Haben Sie Fragen zu diesem Blog? Dann verwenden Sie bitte das Kontaktformular!

Haben Sie schon von den drei ETF-Portfoliokonzepten für Ihren langfristigen Vermögensaufbau gehört? Wenn nicht, dann erhalten Sie hier weitere Details.

Möchten Sie einmal pro Monat allgemeine Informationen zur Langfristanlage erhalten? Dann tragen Sie sich gleich in den kostenlosen Newsletter hier ein.