Vier Dinge, die heute anders sind als in den Crashjahren 2000 und 2008

Ein Crash am Aktienmarkt ist für Investoren das Horrorszenario schlechthin und treibt vielen Menschen die Schweißperlen auf die Stirn. Ein Crash bezeichnet einen deutlichen Kursrückgang von regelmäßig mehr als 20 Prozent, der sich in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum von wenigen Tagen oder Wochen vollzieht. In den Jahren 2000 und 2008 korrigierten die weltweiten Aktienmärkte sogar um über die Hälfte ihres Wertes. Viele Investoren sind von diesen beiden letzten Crashs noch immer gezeichnet.

Man muss kein Hellseher sein, um vorherzusagen, dass es auch in Zukunft größere Crashs geben wird. Sie gehören zur Börse dazu wie das Salz in der Suppe. Allerdings ist die Vorhersage des genauen Zeitpunktes kaum möglich. Viele so genannte Experten prophezeien bereits seit längerer Zeit, dass der Aktienmarkt für eine größere Korrektur reif sei. Gekommen ist diese jedoch bisher nicht. Dieser Beitrag stellt vier zentrale Faktoren dar, warum die Situation heute grundlegend anders ist als in den Jahren 2000 bzw. 2008 und zumindest auf dieser Basis kein unmittelbarer Crash zu erwarten ist.

Faktor 1: Allgemeine Börsenstimmung

War die allgemeine Börsenstimmung in 2008 und insbesondere in 2000 von überschwänglicher Euphorie geprägt, ist davon heute wenig zu spüren. Skepsis und Sorgen sind heute verbreiteter denn je und Pessimismus überwiegt. Die schwache chinesische Konjunktur, der fallende Ölpreis oder der drohende Brexit lassen kaum Euphorie aufkommen.

Ganz anders war die Situation um die Jahrtausendwende, als selbst unerfahrene Anleger zum Aktienkauf aufriefen und die Börse das Dauerthema in Kneipen, Taxis oder auf dem Fußballplatz war. Gerade eine überzogene Euphorie und Gier der Anleger sind erforderlich, damit eine größere Korrektur wahrscheinlicher wird. Von dieser Situation sind wir heute weit entfernt.

Faktor 2: Aktienquote der Investoren

Die Aktienquote der Investoren liegt heute deutlich unter den Quoten vergangener Crashjahre. Sowohl institutionelle Anleger wie Versicherungen oder Fonds als auch private Anleger halten heute weniger Aktien als im Jahr 2000. Ein hoher Aktienanteil kann jedoch dafür verantwortlich sein, dass bei schlechten Nachrichten ein Überangebot auf den Markt kommt und dadurch Preise ins Trudeln geraten.

Im Umkehrschluss sind Situationen, in denen Anleger eine geringe Investitionsquote aufweisen, weniger anfällig für Korrekturen, da die Nachfrage auf ein begrenztes Angebot stößt. Solange ein gewisser Anlagenotstand vorherrscht und viel Liquidität zum Investieren vorhanden ist, ist das Crashrisiko als moderat einzustufen.

Faktor 3: Bewertungskennzahlen

Anhand von Bewertungskennzahlen lässt sich feststellen, ob ein Aktienmarkt im historischen Vergleich teuer oder billig ist. Typische Kennzahlen sind zum Beispiel das Kurs-Gewinn-Verhältnis, der Buchwert oder die Dividendenrendite. Ein Vergleich dieser Kennzahlen zwischen dem Jahr 2016 und 2000 zeigt, dass der Aktienmarkt heute deutlich günstiger bewertet ist als damals.

Im Jahr 2000 betrug das KGV im DAX über 30, während es heute bei nur 12 notiert. Somit wurden Aktien auf Basis dieser Kennzahl um das 2,5-fache gehandelt als heute. In anderen Worten: Der DAX müsste aktuell bei rund 25.000 Punkten stehen, um die gleiche Bewertung wie damals zu haben.

Was den Buchwert des DAX betrifft, lag dieser vor 16 Jahren bei umgerechnet 2.700 Punkten. Heute beträgt dieser rund 6.500 Punkte. Der Buchwert stellt zumindest auf Basis eines Gesamtindex eine Art Absicherung nach unten dar, da bei diesem Niveau Aktienkurse in Höhe des bilanziellen Eigenkapitals gehandelt werden.

Die Dividendenrendite lag im Jahr 2000 bei rund 2 Prozent, während diese heute bei etwa 3 Prozent liegt. Die geringere Rendite um die Jahrtausendwende ist unter anderem auf das im Vergleich zu den Dividenden höhere Kursniveau zurückzuführen. Höhere Kurse reduzieren bei gegebener Dividende im Allgemeinen die Dividendenrendite.

Faktor 4: Zinsniveau

Das allgemeine Zinsniveau liegt heute signifikant unter den Jahren 2008 und 2000. Dieses lässt sich als eine Art Alternativanlage oder Opportunität zu Aktien interpretieren. Denn je höher das Zinsniveau für Fest- oder Tagesgeld bzw. Bundesanleihen ist, desto konkurrenzfähiger sind diese Anlagen gegenüber der Investition in Aktien.

Betrug die Umlaufrendite für deutsche Bundesanleihen im Zeitpunkt der letzten beiden Crashs um die 5 Prozent, so liegt diese heute nahe der Nulllinie. Eine Opportunität ist demnach faktisch nicht existent. Die Investition in risikolose Anlagen stellt heutzutage damit eine deutlich geringere Konkurrenz als vor einigen Jahren dar.

Fazit

Auch wenn es in Zukunft mit Sicherheit wieder einen Crash geben wird, sprechen im Moment einzelne Faktoren nicht unbedingt dafür, dass dieser unmittelbar bevorsteht. Crashs kamen in der Vergangenheit meist unerwartet und waren das Resultat lang anhaltender Kursanstiege, die sich am Ende in einer überschwänglichen Euphorie äußerten. Davon ist am Aktienmarkt im Moment nicht viel zu spüren. Auch legen verschiedene Bewertungskennzahlen aktuell keine Überbewertung nahe. Die Aktienquote vieler Anleger ist historisch auf einem Tiefstand. Darüber hinaus stellt das aktuell niedrige Zinsniveaus keine wirkliche Alternativanlage dar, die der Aktie ernsthafte Konkurrenz bieten könnte.

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