Vier Analystentipps, die einem Langfristanleger wenig Nutzen stiften

Analysten verschiedener Finanzdienstleister haben die Aufgabe, Wertpapiere oder Märkte nach deren Chancen und Risiken zu beurteilen und konkrete Handlungsempfehlungen auszusprechen. Die Frage, die sich dabei auch stellt, ist die nach dem Nutzen solcher Empfehlungen für den langfristig orientierten Investor, der sein Geld über mehrere Jahre anlegen möchte. Gerade für Neueinsteiger sind die „Tipps“ von Analysten schwierig einzustufen. Auf keinen Fall sollte man diesen blind folgen (lesen Sie auch diesen Beitrag hier). Dieser Beitrag präsentiert vier gängige Analystentipps, die ein Langfristanleger getrost ignorieren kann, da sie ihm keinen oder nur wenig Nutzen stiften.

Tipp 1: „Warten Sie vor dem Kauf erst einmal eine Bodenbildung ab“

Fällt ein Markt oder eine Aktie stärker, kann es manchmal Monate oder auch Jahre dauern, bis die Kurse wieder neue Allzeithochs erreichen. Auch weitere Kursrücksetzer nach Zwischenerholungen sind nicht ausgeschlossen. Häufig empfehlen Analysten dann, vor dem Kauf erst einmal eine ausgeprägte Bodenbildung abzuwarten. Ein Anleger soll sich demnach das Geschehen zunächst von der Seitenlinie aus anschauen, die Nachrichtenlage prüfen und dann erst kaufen, wenn scheinbar klar ist, dass die Kurse nicht mehr weiter fallen werden.

Ein Abwarten mag möglicherweise dann Sinn machen, wenn es sich um hochriskante Unternehmen handelt, bei denen die Zukunft äußerst unsicher ist. Fragwürdig ist allerdings, ob derartige Unternehmen überhaupt für langfristige Anlagen empfehlenswert sind. Kommen Unternehmen hoher Qualität oder etablierte Märkte (z.B. DAX oder Dow Jones) wie in den letzten Monaten einmal deutlicher zurück, sollte ein Anleger mit einem Kauf nicht allzu lange warten, da Erholungen häufig sehr schnell und unerwartet eintreten können. Alternativ kann ein Einstieg auf Raten erfolgen, indem ein zu investierender Gesamtbetrag auf mehrere Kaufzeitpunkte verteilt wird und sich dadurch die Frage des optimalen Einstiegszeitpunkts weniger stellt.

Tipp 2: „Sichern Sie Ihre Kurse mit einem Stop-Loss ab“

Durch das Setzen eines Stop-Loss Kurses soll sich ein Anleger vor Verlusten schützen bzw. Gewinne absichern, indem von Anfang an eine Marke festgelegt wird, bei der ein Wertpapier automatisch veräußert wird. Dadurch geht ein Anleger nicht das Risiko ein, einen bestimmten Maximalverlust zu übersteigen oder seine gesamten Buchgewinne wieder abzugeben.

Während dieser Tipp für hochriskante Geschäfte (z.B. Optionsgeschäfte) beim Daytrading Sinn machen kann, sollte sich ein langfristig orientierter Anleger keine Gedanken über Zeitpunkte zum Ausstieg machen, solange die fundamentalen Daten eines Unternehmens stimmen. Warum sollte er verkaufen, wenn die Qualität stimmt und der Kurs in einigen Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit höher sein wird? Wie würden Sie sich heute fühlen, wenn Sie vor vielen Jahren Unternehmen wie Novo Nordisk, McDonald´s, Fielmann oder Lindt aus Ihrem Depot geschmissen hätten, nur weil eine künstlich gesetzte Stop-Loss Marke erreicht worden ist? Zur Beantwortung der Fragen schauen Sie sich am besten die Langfristcharts dieser Unternehmen an!

Tipp 3: „Die Chancen für Kursanstiege sind gut, dennoch sind Kursrücksetzer immer möglich“ 

Mit einer derartigen Empfehlung drückt ein Analyst seine optimistische und positive Grundhaltung gegenüber einem Markt oder einem einzelnen Unternehmen aus. Gleichzeitig schränkt er seine Aussage dadurch ein, dass die Kurse auch fallen können. Häufig werden solche Aussagen gemacht, die eine Art win-win-Situation darstellen und jedes mögliche Szenario abdecken. Egal welches Szenario dann eintritt, wird der Analyst Recht behalten, nämlich wenn die Kurse steigen, allerdings auch dann, wenn sie fallen.

Der langfristig orientierte Anleger sollte an solchen Aussagen erkennen, dass niemand die Märkte im kurzfristigen Bereich prognostizieren kann. Daher werden häufig Aussagen gemacht, die im Nachhinein möglichst wenig angreifbar sind und vom tatsächlichen Ausgang unabhängig machen. Einen wirklichen Mehrwert stellen sie daher nicht dar.

Tipp 4: „Das aktuelle Börsenjahr wird durch hohe Schwankungen geprägt sein“ 

Gerade zu Beginn des angelaufenen Börsenjahres hörte man häufig von verschiedenen Seiten, dass die Aktienmärkte durch hohe Schwankungen geprägt sein werden. In der Tat können sich Anleger nicht über zu geringe Volatilitäten in den ersten Wochen beklagen. Betrachtet man jedoch auch vergangene Jahre, so sind Aussagen zu Volatilitäten an der Börse nicht ungewöhnlich. Häufig klingen diese besorgniserregend und suggerieren Unsicherheit. Welche Handlungsempfehlung leitet sich aus diesen Aussagen jedoch für den Anleger ab?

Nüchtern betrachtet ist es nicht wirklich eine Vorhersage mit Neuigkeitswert, wenn ein Analyst Schwankungen prophezeit. Grundsätzlich handelt es dabei um ein alltägliches Phänomen. Aktienkurse haben schon immer in der Vergangenheit geschwankt und werden es auch in Zukunft tun – mal mehr, mal weniger. Schwankungen sollten daher nicht als Feind, sondern als Freund des Anlegers aufgefasst werden. Langfristige Renditen von 8 Prozent sind nur aufgrund von Schwankungen möglich, da für diese eine entsprechende Risikokompensation erfolgt.

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