Sind Sie ein „zittriger“ oder hartgesottener Anleger?

Börsenlegende André Kostolany war der Meinung, dass es für den Erfolg an der Börse die vier G bedarf: Geld, Gedanken, Geduld und Glück. So behauptete der erfolgreiche Investor, dass sich mit Hilfe der vier G insbesondere zwei Anlegergruppen charakterisieren lassen – die Gruppe der zittrigen und die Gruppe der hartgesottenen Anleger. Wenn es an der Börse wie zu Beginn des Jahres sehr gut läuft, können beide Gruppen gleichermaßen Geld verdienen. Kommt es aber wie in den letzten Wochen zu größeren Korrekturen und nervöserer Stimmung, dann trennt sich die Spreu vom Weizen. In diesen Phasen verlässt die so genannten zittrigen Hände schnell der Mut. Was genau bedeuten nun aber die vier G und zu welcher Anlegergruppe gehören Sie dann?

1. Geld:
Geld bezieht sich dabei nicht unbedingt auf die Menge. Auch mit kleinen Beträgen lässt sich über viele Jahre ein Vermögen aufbauen. Vielmehr ist damit gemeint, dass man an der Börse nur mit eigenem und nicht mit geliehenem Geld investieren soll. Das Geld sollte frei verfügbar sein und langfristig liegen gelassen werden. Werden nämlich Wertpapiere über Kredit finanziert, so können in größeren Korrekturphasen Zwangsverkäufe mit gegebenenfalls Verlusten notwendig sein, um Kredite zurückzahlen zu können.

2. Gedanken:
An der Börse muss sich ein Anleger überlegen, nach welchen Kriterien er investiert und welche Strategie zu ihm passt. So kann er eine passive Strategie wählen, indem der Anleger durch Abbildung verschiedener Indizes eine möglichst breite Streuung erlangt. Entscheidet er sich für eine aktive Strategie, dann muss er Unternehmen mit Hilfe von geeigneten Kennzahlen wie z.B. Gewinn- und Umsatzwachstum, Cashflows, Marktstellung analysieren. Insbesondere soll er nicht blind selbst ernannten Experten vertrauen, sondern seinen eigenen Investmentstil konsequent verfolgen.

3. Geduld:
Selbst eine gute Investmententscheidung muss nicht sofort von Erfolg gekrönt sein. Zum Teil kann es mehrere Jahre dauern, bis der Erfolg eintritt, weil entweder der gesamte Markt oder einzelne Unternehmen schwächeln. Genau diese Schwächephasen muss ein Anleger überstehen können. Auf der anderen Seite besteht durch eine große Streuung eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass auch einige Investments bereits nach kürzerer Zeit den erhofften Erfolg bringen. Manchmal schadet es auch nicht, einfach nichts zu tun und zu warten bis sich eine nächste Chance zum Investieren auftut.

4. Glück:
Damit ist nicht das Glück gemeint, dass man in einem Kasino haben muss. Vielmehr kann ein Anleger eben kurz nach dem Kauf insofern Glück haben, dass der Kurs sofort nach oben läuft. Andererseits gibt es genügend Fälle, dass der Kurs wider Erwarten einbricht. Kurzfristig kann die Rendite daher auch davon abhängen, ob man eine gute Marktphase erwischt. Dennoch spielt dieser Punkt langfristig eine eher untergeordnete Rolle, da sich Kursgewinne früher oder später einstellen werden, wenn man die richtige Strategie verfolgt.

Wer als Anleger alle vier G mitbringt, der gehört zu der Gruppe der hartgesottenen Anleger und wird auf lange Sicht Erfolg haben. Fehlt nur eines dieser G, so ist der Anleger als „zittrig“ zu bezeichnen. Mit der Kategorisierung lassen sich darüber hinaus Marktphasen und Zyklen an der Börse feststellen. Ist der Markt mehrheitlich in zittrigen Händen, so reagiert er kaum noch auf gute Nachrichten und tendiert zu größeren Panikverkäufen bei äußerst schlechten Nachrichten. Die Börse gilt dann als überkauft. Haben die zittrigen Hände irgendwann ihre Bestände abgebaut, so nehmen die hartgesottenen Anleger das Zepter in die Hand. Der Markt fällt bei schlechten Nachrichten dann kaum noch und geht in seinen langfristigen Aufwärtstrend wieder über.