Problem Quellensteuer: So erhalten Anleger mehr Dividende

Im Sinne einer möglichst optimalen Diversifikation sollten ausländische Unternehmen in einem Anlegerportfolio nicht fehlen. Analog zu deutschen Unternehmen zahlen auch Firmen im Ausland zum Teil attraktive Dividenden an ihre Anteilseigner. Allerdings halten bei ausländischen Dividenden gleich zwei Staaten die Hand auf, um Steuereinnahmen zu erzielen –  der deutsche und der ausländische Staat. Trotz der gesetzlichen Regelung dieses Steuerkonflikts können für einen deutschen Anleger Nachteile auftreten, wenn dieser nicht aktiv die zu viel gezahlte Quellensteuer zurückfordert. Was ein Anleger genau unternehmen kann, verrät dieser Beitrag.

Warum tritt ein Steuerkonflikt auf?

Wer in Deutschland als natürliche Person seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt hat, ist unbeschränkt einkommensteuerpflichtig und wird gemäß des Welteinkommenprinzips besteuert, d.h. dass seine gesamten weltweit erzielten Einkünfte in Deutschland der Einkommensteuer unterliegen. Auf der anderen Seite hat auch der ausländische Staat in vielen Fällen auf die innerhalb seiner Landesgrenzen erzielten Einkünfte einen Steueranspruch. Erheben demnach der deutsche und ausländische Staat eine Steuer, kommt es theoretisch zu einer Doppelbesteuerung.

Am Beispiel der Dividende bedeutet dies: Im Ausland wird die so genannte Quellensteuer abgezogen, in Deutschland verlangt der deutsche Staat die Abgeltungssteuer von 25 Prozent (plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer). Würde z.B. die Quellensteuer im Ausland auch 25 Prozent betragen, so käme weniger als die Hälfte der Bruttodividende auf dem Konto des Anlegers an, obwohl er in Deutschland grundsätzlich nur etwa ein Viertel seiner Kapitalerträge durch Steuern abgezogen bekommt.

Wie wird der Steuerkonflikt gelöst?

Zur Vermeidung der Doppelbesteuerung besitzt Deutschland mit zahlreichen anderen Ländern so genannte Doppelbesteuerungsabkommen. In diesen Abkommen ist geregelt, welches Land in welcher Höhe ein Besteuerungsrecht besitzt. Bei Dividenden kann der ausländische Staat in den meisten Fällen gemäß der Regelungen 15% an Quellensteuer für sich beanspruchen. Dieser Teil wird dann auf die deutsche Abgeltungssteuer angerechnet, so dass der Anleger in Deutschland nur noch 10% an Steuer bezahlt – macht zusammen 25% (15% + 10%).

Ein Problem tritt jedoch dann auf, wenn der ausländische Steuersatz auf Dividenden größer als 15% ist wie z.B. in der Schweiz mit 35%. Da der deutsche Staat nur 15% an Quellensteuer anrechnet und somit weiterhin 10% der Dividende besteuert, bezahlt ein in Deutschland wohnhafter Anleger in diesem Fall insgesamt 45% auf die aus der Schweiz fließende Dividende. Gegenüber dem generell gültigen deutschen Steuersatz zahlt er also 20% zu viel an Steuern.

Anleger haben einen Erstattungsanspruch auf zu viel gezahlte Quellensteuer

Wer im Ausland zu viel Quellensteuer bezahlt hat, kann sich diese grundsätzlich vom ausländischen Finanzamt zurückerstatten lassen. Hierzu muss der Anleger allerdings selbst aktiv werden und ein länderspezifisches Formular ausfüllen. Das Bundeszentralamt für Steuern hält im Internet für die einzelnen Länder entsprechende Formulare bereit. Diese finden sich unter diesem Link.

Im Fall der Schweiz mit bekannten Unternehmen wie Nestle oder Lindt & Sprüngli kann sich ein Rückerstattungsantrag lohnen. Der Anleger kann sehr einfach die erforderlichen Daten online eintragen und das Formular an die Schweizer Behörden schicken. Insbesondere kann er dies über die vergangenen drei Jahre in einem Formular umsetzen und muss so nicht jedes Jahr einen Antrag stellen. Angenommen die aus der Schweiz erhaltene Bruttodividende beträgt umgerechnet 250 Euro pro Jahr. In diesem Fall hat der Anleger wie oben beschrieben 20%, also 50 Euro, zu viel an Steuern bezahlt. Über drei Jahre summiert sich der Erstattungsanspruch auf immerhin 150 Euro – durchaus eine Überlegung wert.

Bei einigen Ländern ist ein Erstattungsantrag nicht erforderlich, da im Ausland nicht mehr als 15% an Quellensteuer einbehalten werden. So zum Beispiel in den USA oder in Großbritannien. In manchen Ländern muss ein Anleger wiederum genau überlegen, ob ein Erstattungsantrag unter Kostengründen sinnvoll erscheint. Bei französischen Unternehmen ist ein Erstattungsantrag nicht persönlich, sondern nur durch die Depotbank möglich, die hierfür meist eine Gebühr verlangt. In vielen Fällen kann diese höher sein als die zurückgeforderte Dividende.

Hinweis: Bitte beachten Sie, dass die gemachten Ausführungen keine steuerliche Beratung darstellen.

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