Notenbanken zünden ein Kursfeuerwerk: Wieso ist das so?

Stellen Sie sich vor, Sie legen Ihr Geld bei Ihrer Hausbank an und am Ende des Jahres erhalten Sie keine Zinsen gutgeschrieben, sondern von Ihrem Konto abgebucht. Ein vor einigen Jahren unvorstellbaren Szenario scheint mittlerweile keine Seltenheit mehr zu sein. So hat gerade letzte Woche eine Bank aus der Schweiz einen Negativzinssatz eingeführt. Für Einlagen bis 100.000 Franken beträgt der Zinssatz -0,125%. Das besondere daran ist, dass dies mittlerweile nicht mehr nur für Unternehmen, die ihr Geld bei einer Bank anlegen, sondern auch für Privatkunden der Fall ist. Warum dieses extreme Niedrigzinsumfeld bis auf Weiteres Bestand haben sollte und welche Auswirkungen sich hieraus für die Kapitalmärkte ergeben, wird im Folgenden erläutert.

Wie hat sich der EZB-Leitzinssatz seit 2008 entwickelt und wohin läuft er kurzfristig?

EZB Leitzinsentwicklung

Die Grafik stellt die Entwicklung des EZB-Leitzinssatzes seit der Jahrtausendwende dar (Quelle: EZB). Ab dem Jahr 2008, dem Jahr des Beginns der Finanzkrise, ist ein stetiger Rückgang des Leitzinssatzes auf mittlerweile nur noch 0,05 Prozent festzustellen. Der Zinssatz für Bankeinlagen bei der EZB beträgt sogar -0,20 Prozent. Banken müssen demnach einen Strafzinssatz für bei der EZB hinterlegte Einlagen zahlen.

Wer nun glaubt, dass das Zinstal endgültig durchschritten ist, wurde auf der Notenbanksitzung der EZB letzte Woche auf Malta schwer enttäuscht. So verkündete der Notenbankchef Mario Draghi, dass die EZB bereit sei, alle verfügbaren Instrumente zu nutzen, um einen angemessenen Grad an geldpolitischer Lockerung zu erreichen. Übersetzt bedeutet dies, dass das aktuell laufende Anleihekaufprogramm der EZB möglicherweise ausgeweitet wird und der Zinssatz für Bankeinlagen weiter gesenkt werden könnte. Gleichzeitig senkte die chinesische Notenbank zum vierten Mal in diesem Jahr den Leitzins, um der Wirtschaft in China weiter auf die Beine zu verhelfen.

Welche Konsequenzen erheben sich aus der Notenbankpolitik?

Die monetäre Ausnahme des Niedrigzinsumfeldes scheint damit langsam zur Normalität zu werden. Für Sparer wird sich damit wohl auf längere Sicht keine Änderung einstellen. Die Aktienmärkte reagierten auf die Ankündigung mit Freudesprüngen. So legte der DAX alleine in der vergangenen Woche um sieben Prozent zu und steht damit bereits fast 15 Prozent über seinem Tief im August.

Niedrige Zinsen sind im Allgemeinen gut für die Aktienmärkte, da es dadurch an Alternativanlagen mangelt. Zudem besteht die Hoffnung, dass die Banken nun mehr Kredite an Verbraucher und Unternehmen vergeben, um die stotternde Konjunktur in Europa wieder in Gang zu bringen und die Gefahr einer Deflation zu bannen. Ein durch die niedrigen Zinsen zur Schwäche tendierender Euro verschafft darüber hinaus insbesondere exportorientierten Unternehmen, wie sie im DAX zahlreich vertreten sind, preisliche Wettbewerbsvorteile.

Allerdings ist die Notenbankpolitik nicht frei von Kritik. Auf der einen Seite hat das Wachstum in der Euro-Zone zwar leicht angezogen und Banken vergeben etwas mehr Kredite. Der ganz große Schub ist allerdings bisher ausgeblieben. Auch die Inflation hat bei weitem noch nicht das Ziel der EZB von knapp zwei Prozent Preissteigerung im Jahr erreicht. Dennoch wird das das Kapitalmarktumfeld für Aktien noch einige Zeit sehr günstig bleiben. Es mangelt schlichtweg an Alternativen.