Rendite und Risiko

Rendite und Risiko stehen in einem engen Zusammenhang. Grundsätzlich gilt, dass mehr Rendite nur durch die Inkaufnahme von mehr Risiko erzielt werden kann. Die Rendite bei einer Kapitalanlage ergibt sich aus dem Gesamtertrag (bei Aktien entspricht dies der Kursveränderung zusätzlich ausgeschütteter Dividenden) im Verhältnis zum eingesetzten Kapital und wird als Prozentsatz (in der Regel pro Jahr) ausgedrückt.

Renditen bei Aktien

Die erwarteten Renditen bei Aktien sind langfristig betrachtet im Vergleich zu anderen Anlageklassen hoch. So belegt das Rendite-Dreieck des Deutschen Aktieninstituts, dass der deutsche Aktienindex DAX langfristige Renditen von 8 bis 9 Prozent pro Jahr erzielt. Diese Renditen beinhalten sämtliche Krisen der letzten Jahre, wie z.B. die Finanz- und Schuldenkrise, das Platzen der Internetblase oder der 11. September 2001.

DAX langfristig

Renditen anderer Anlageklassen

Mit anderen Anlageklassen (z.B. Immobilien, Anleihen oder Festgeldkonten) lassen sich Renditen in diesem Ausmaß langfristig in der Regel nicht erzielen. Immobilien werden als Kapitalanlage in Deutschland häufig eingesetzt und haben unter dem Aspekt der Diversifikation eine gewisse Relevanz. Im Gegensatz zu Aktien sind Immobilien weniger von direkten Wertschwankungen betroffen. Dies liegt jedoch auch daran, dass es keine täglichen Preisfindungen gibt, die zu unmittelbaren Kursbewegungen wie bei Aktien führen. Sofern die Lage und Ausstattung der Immobilie stimmen, sind Mietausfälle wenig wahrscheinlich. Die Mieten bringen dem Vermieter ähnlich wie Dividenden dem Aktionär einen regelmäßigen Ertrag.

Aufgrund der hohen Nachfrage nach Immobilien bedingt durch das niedrige Zinsniveau der letzten Jahre haben sich besonders in vielen Großstädten zum Teil Kaufpreise ergeben, die in den seltensten Fällen Vorsteuerrenditen von mehr als 3-4 Prozent zulassen. Zudem sind die Kaufnebenkosten (für Notar, Grunderwerbsteuer und Makler) mit rund 10 Prozent des Kaufpreises vergleichsweise hoch. Nicht zu vergessen ist das Klumpenrisiko, dass sich dadurch ergeben kann, wenn ein großer Geldbetrag vor allem in nur ein Investitionsobjekt fließt.

Anleihen von Schuldnern hoher Bonität wie z.B. Deutschland werfen ähnlich wie Festgeldkonten im Moment kaum Renditen von mehr als 0,5 Prozent pro Jahr ab. Will ein Anleger mehr Rendite, muss er Unternehmensanleihen kaufen, die mit mehr Risiko einhergehen. Dennoch kann die Beimischung von Anleihen in einem ausgewogenen Portfolio je nach Anlegertyp durchaus sinnvoll sein und das Risiko optimieren.

Bedeutung des Zinseszinseffekts

Wie wird der Wert Ihres Vermögens langfristig nun aber von der zugrunde liegenden Rendite beeinflusst? Dieser Zusammenhang wird im Folgenden an den drei Anlageklassen Aktien, Immobilie und Festgeldkonto aufgezeigt. Für einen 30-jährigen Anlagezeitraum und eine Anlagesumme von 100.000 € gelten folgende Annahmen:

– Festgeldkonto: Transaktionskosten = 0%, Rendite (vor Steuer) = 1% p.a.
– Immobilie: Transaktionskosten = 10%, Rendite (vor Steuer) = 4% p.a.
– Aktie (DAX-ETF): Transaktionskosten = 1%, Rendite (vor Steuer) = 8% p.a.

Während die Festgeldanlage nach 30 Jahren lediglich einen Wert von rund 135.000 € erreicht, ergibt sich bei der Immobilie eine Werterhöhung auf knapp 300.000 €. Die Aktienanlage mittels DAX-ETF hat nach 30 Jahren bei einer angenommenen Rendite von 8% p.a. einen Wert von einer Million € erreicht. Der Unterschied in den Wertentwicklungen ist insbesondere auf den Zinseszinseffekt zurückzuführen, der langfristig eine signifikante Rolle spielt.

Renditevergleich von Anlageklassen

Risiko bei Aktien

Die Wertentwicklung bei Aktien verläuft bei weitem nicht so idealtypisch wie in der vorherigen Abbildung aufgezeigt. So unterliegen Aktien kurzfristig wesentlich stärkeren Schwankungen als Immobilien und Festgeldkonten. Für diese als Risiko bezeichneten Schwankungen wird eine Prämie in Form höherer Renditen gefordert. Je stärker die Schwankungen ausfallen, desto höher ist das Risiko einer Kapitalanlage. Gerade in Deutschland ist der Begriff Risiko häufig negativ assoziiert und wird mit Verlusten in Verbindung gebracht. Risiko sollte jedoch auch als Chance gesehen werden.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die kurzfristigen Schwankungen bei Aktien zum Teil sehr deutlich ausfallen können. Wie folgende Abbildung zeigt, konnte ein Anleger beispielsweise im Jahr 2008 im Hochpunkt der Finanzkrise mehr als 40 Prozent seines Kapitaleinsatzes innerhalb eines Jahres verlieren, wenn er in den deutschen Aktienindex investiert hat. Wer auf der anderen Seite im Jahr 1985 den DAX kaufte, konnte in diesem Jahr eine ungewöhnlich hohe Rendite von fast 85 Prozent verdienen. Beim Blick auf die Jahresrenditen des DAX in den letzten 50 Jahren zeigt sich, dass es bei 35 Jahren mit positiver Rendite nur 15 Jahre mit negativer Rendite gab.

Jahresrenditen DAX

Die Schwankungen am Aktienmarkt werden immer unwichtiger, je länger der Anlagehorizont ausfällt. Wer in den letzten 50 Jahren in den DAX investierte, verlor bei einem Anlagehorizont von 10 Jahren in nahezu keinem Fall Geld. Brachte er eine Anlagedauer von 30 Jahren mit, betrug die „schlechteste“ Rendite etwa sieben Prozent pro Jahr. Über alle Haltedauern liegt die Durchschnittsrendite zwischen etwa acht und neun Prozent. Lesen Sie hierzu auch diesen Beitrag.

Haltedauer

Welches Rendite-Risiko-Verhältnis ein Anleger eingehen sollte, hängt letztendlich von Faktoren wie z.B. seinem Anlagehorizont oder seiner Risikobereitschaft ab. Bringt ein Anleger einen längerfristigen Anlagehorizont mit und toleriert er kurzfristige Schwankungen, wird er bei Anwendung der richtigen Anlagestrategie langfristig in der Regel mit hohen Renditen kompensiert.

Dabei sind Geduld, Durchhaltevermögen und eine gewisse Gelassenheit in turbulenteren Phasen erforderlich, um mit Schwankungen umgehen zu können und diese als Notwendigkeit zur Erzielung langfristig überdurchschnittlicher Renditen zu verstehen. Zusätzlich lässt sich das Risiko von Kapitalanlagen durch das Instrument der Diversifikation zusätzlich optimieren.