Fehler bei der Kapitalanlage

Kapitalmärkte bieten langfristig große Chancen beim Vermögensaufbau. Erfolgreiches Anlegen ist kein „Hexenwerk“ und ist grundsätzlich für jeden Sparer möglich. Allerdings gilt es, bestimmte Regeln einzuhalten, damit am Ende die Chancen nicht durch die Risiken überlagert werden. Gerade Anfänger begehen oftmals Fehler, die naturgemäß mit fehlender Erfahrung zusammenhängen. Schafft es ein Anleger, diese Fehler zu vermeiden, wird er langfristig entspannt ein Vermögen aufbauen können. Häufig handelt es sich um folgende Fehler bei der Kapitalanlage:

Handeln ohne Strategie:
Viele Anleger investieren ohne Konzept, intuitiv und aus dem Bauch heraus. An der Börse ist ein durchdachter Plan jedoch erforderlich, um langfristig Erfolg zu haben. Die konsequente Umsetzung der Strategie verlangt häufig Disziplin, kann aber auch die nötige Gelassenheit in turbulenteren Phasen geben. Welche Anlagestrategien langfristig Erfolg versprechen, finden Sie hier.

Fehlende Risikostreuung:
In vielen Fällen erfolgt eine unzureichende Risikostreuung (Diversifikation) zur Risikobegrenzung. Studien zeigen, dass viele Anleger vor allem Wertpapiere im Heimatland kaufen und damit dem so genannten „Home Bias“ unterliegen. So kauft ein deutscher Anleger überwiegend Wertpapiere aus Deutschland. Darüber hinaus werden bevorzugt Wertpapiere aus einer bestimmten Branche gekauft, in der sich der Anleger scheinbar besonders gut auskennt oder einen persönlichen Bezug dazu hat. Unter dem Aspekt einer optimalen Vermögensaufteilung ist eine unzureichende Streuung für die langfristige Rendite schädlich. Wie wichtig eine breite Diversifikation jedoch ist, lesen Sie hier.

Ungeduld:
Investiert ein Anleger an der Börse, kehrt schnell Ernüchterung ein, wenn die Kapitalmärkte kurz nach dem Kauf wider Erwarten fallen sollten. Ist die Anlage selbst nach zwei Jahren noch nicht im Plusbereich, kommen Zweifel auf, ob die Entscheidung richtig war. Dann ist sich der Anleger sicher, dass das Geld auf dem Festgeldkonto doch einen besseren Platz gefunden hätte. Viele Anleger denken zu kurzfristig. Eine langfristige Persepktive eröffnet jedoch erst die hohen Renditechancen an der Börse. So sollte bei Aktien mindestens ein Anlagezeitraum von fünf Jahren, besser zehn Jahren unterstellt werden. Zudem darf nicht die langfristige Einkommenswirkung von Dividenden unterschätzt werden.

Spekulieren anstatt investieren:
Viele Anleger suchen den schnellen Erfolg und gehen dabei immens hohe Risiken ein. Sie kaufen ohne Erfahrung Produkte, die sie nicht verstehen (z.B. Optionsscheine oder Futures). Zu verlockend scheint die Aussicht auf einen kurzfristigen hohen Gewinn. Häufig findet auch eine gewisse Selbstüberschätzung statt, die den Anleger zum Eingehen irrationaler Risiken verleitet. Auch das Verfolgen kurzfristiger Modetrends funktioniert in der Regel nicht, da Trends (Beispiel Solarbranche) so schnell wieder verschwinden wie sie gekommen sind. So können in kurzer Zeit hohe Verluste eingefahren werden. Vielmehr sollte ein Anleger seine Investments auf herausragende Unternehmen konzentrieren, die von einem starken Management geleitet werden, Marktführer in ihrem Segment sind und sich durch nachhaltige Gewinnsteigerungen über viele Jahre auszeichnen. Welche konkrete Anlagestrategie sich dahinter verbirgt, erfahren Sie hier.

Von Emotionen steuern lassen:
An der Börse handeln Menschen, die von Emotionen geprägt sind. Emotionen haben aber an den Kapitalmärkten nichts verloren. Sie können dazu führen, dass Anleger unüberlegte Entscheidungen treffen. So werden bei größeren Kursrücksetzern panikartig Wertpapiere verkauft, um festzustellen, dass sich diese kurz darauf wieder erholen. Genauso passiert es häufig, dass Investoren in euphorischen Marktphasen aus Gier Aktien zu Preisen kaufen, die kurzfristig überzogen sind. Wichtig ist, finanzielle Entscheidungen unter rationalen Gesichtspunkten zu treffen. Anleger dürfen sich nicht von den kurzfristigen Schwankungen aus der Ruhe bringen lassen. Volatilität gehört zu den Börsen dazu und darf nicht überbewertet werden. Mehr zur Börsenpsychologie lesen Sie hier.

Zu häufiges Handeln auf Basis von Tagesnachrichten oder Expertenmeinungen:
Das Sprichwort „Hin und her macht Taschen leer“ gehört zu den alten Börsenweisheiten und bringt es auf den Punkt. Viele Anleger kaufen und verkaufen zahlreiche Wertpapiere ohne System und meist auf Basis von Tagesnachrichten oder Expertenmeinungen. Es gibt zahlreiche Analysten, selbst ernannte Experten oder Börsengurus, die tagtäglich mit ihren Meinungen und Empfehlungen den Anleger erreichen wollen. Es gibt viele Studien, die die Qualität der Empfehlungen in Frage stellen und beweisen, dass damit nur wenig Geld zu verdienen ist. Den „heißen“ Tipp gibt es in relativ informationseffizienten Märkten nämlich nicht. Keiner kann die nahe Zukunft oder Aktienkurse vorhersehen. Vielmehr verursachen zu viele Transaktionen in erster Linie hohe Gebühren, bringen aber meist nicht den erwünschten Erfolg. Man kann mit kurzfristigem Handeln zwar Glück haben, genauso häufig allerdings liegt man falsch. Zudem besteht häufig kein unmittelbarer Zusammenhang zwischen einer Nachricht und der Kursentwicklung. Kurse werden kurzfristig vielmehr durch Stimmungen an der Börse beeinflusst und Nachrichten meist herangezogen, um eine Kursbewegung im nachhinein zu erklären. Der Anleger darf daher nicht den Blick auf das Wesentliche verlieren und sollte nicht hektisch hin und her handeln. Es schadet überhaupt nicht, gewisse Meldungen einfach zu ignorieren, da sie langfristig keine Auswirkung haben.

Angst vor dem richtigen Einstiegszeitpunkt:
Billig kaufen und teuer verkaufen klingt in der Theorie einfach, ist in der Praxis aber nahezu unmöglich. Es wird niemand konstant den absoluten Tiefpunkt beim Kauf von Wertpapieren erwischen. Wenn es doch einmal gelingt, handelt es sich um reines Glück. Jeden Tag findet der Anleger zig Gründe, warum ein Einstieg im Moment nicht ratsam ist und warum es noch billiger werden kann. An einem Tag ist es die Krise in Griechenland, am anderen der Konflikt in der Ukraine, dann wird Ebola als Grund herangezogen und wiederum an einem anderen Tag ist der fallende Ölpreis eine Gefahr. Häufig werden die Nachrichten jeden Tag immer schlimmer, wenn die Börsen Schwäche zeigen, wodurch sich der Abwärtstrend kurzfristig beschleunigen kann. Der Anleger sollte aber bedenken, dass an der Börse der Einstieg noch nie amtlich eingeläutet wurde. Auf langfristige Sicht von mehreren Jahren spielt der optimale Einstiegszeitpunkt eine untergeordnete Rolle. Es zählt nicht so sehr, wann man kauft, sondern was man kauft.

Heute nicht an morgen denken:
In der heutigen Konsumgesellschaft ist ein Sparer jeden Tag unzähligen Verlockungen ausgesetzt: Das Angebot eines neuen Smartphonemodells, die um die Hälfte reduzierte Kreuzfahrt in der Karibik oder die neue Handtasche. Sicherlich macht es keinen Sinn, seinen Konsum gänzlich in die Zukunft zu verlagern, zumal dieser auch die Wirtschaft ankurbelt. Allerdings lässt sich langfristig nur Vermögen aufbauen, wenn auf Konsum zugunsten des Sparens auch einmal verzichtet wird. Denn je früher damit begonnen wird, desto höher ist der langfristig so entscheidende Zinseszinsefffekt. Anders ausgedrückt, verzichtet der Sparer heute auf ein weiteres Paar Schuhe, kann er sich in einigen Jahren drei davon gönnen. Nicht zu erwähnen bleibt, dass Dispo- oder Konsumkredite vermieden werden sollten. Die hierauf meist hohen Zinsen hindern zusätzlich am langfristigen Vermögensaufbau.