Diversifikation

Sprichwörter wie „Setze nicht alles auf eine Karte“ oder „Lege nicht alle Eier in einen Korb“ untermauern, dass Diversifikation eine der wichtigsten Grundregeln bei der Kapitalanlage darstellt. Unter Diversifikation wird die Verteilung des Vermögens auf mehrere Anlagen oder Anlageklassen verstanden. Innerhalb einer Anlageklasse (z.B. Aktien) bedeutet dies die Verteilung auf mehrere Unternehmen in verschiedenen Branchen, Ländern oder Heimatwährungen. Zwischen verschiedenen Anlageklassen ist dabei die Streuung auf Aktien, Anleihen, Rohstoffe oder auch Immobilien gemeint. Diversifikation spielt bei der Auswahl von Anlageklassen eine wesentliche Rolle und wird in der modernen Portfoliotheorie, die auf eine Arbeit des Nobelpreisträgers Harry M. Markowitz zurückgeht, als grundlegend erachtet.

Aber warum ist der Gedanke der Diversifikation letztendlich so wichtig? Dies hängt insbesondere mit dem Risiko einer Kapitalanlage zusammen. Wenn das gesamte Vermögen in nur ein Unternehmen investiert wird, ist die Wertentwicklung dieser Anlage zu einem großen Teil vom Geschäftserfolg dieses einen Unternehmens abhängig. So kann der Unternehmenserfolg beispielsweise davon abhängen, wie innovativ das Unternehmen ist, welche Qualität seine Produkte haben oder wie gut sein Management ist. Die Aktienanlage kann daher in der Folge großen Wertschwankungen ausgesetzt sein. Da im vorhinein jedoch nicht sicher ist, welche Unternehmen letztendlich erfolgreich sein werden, ist es ratsam, sein Geld auf verschiedene Unternehmen zu verteilen, um das Risiko in Form von Wertschwankungen zu reduzieren.

Beispielhaft wird dieser Zusammenhang an den Unternehmen Samsung und Nokia aufgezeigt. Beide Unternehmen sind unter anderem Hersteller von Smartphones. Anfang des neuen Jahrtausends war vor allem Nokia der „Platzhirsch“ unter den Handyproduzenten. Wie riskant allerdings eine ausschließliche Anlage in Aktien von Nokia gewesen wäre, zeigen die letzten Jahre. Nokia unterschätzte den Smartphonetrend und verlor den Anschluss an seine Konkurrenten. Nach und nach gingen Marktanteile verloren, die Firmen wie Samsung (und auch Apple) für sich beanspruchten. Eine Verteilung des Geldes auf mehrere Firmen hätte zur Folge gehabt, die Verluste mit Nokia durch Gewinne mit Samsung überproportional auszugleichen. Während Samsung in den Jahren 2005-2015 eine Kursentwicklung von mehr als 300 Prozent verzeichnete, verlor Nokia etwa die Hälfte des Wertes (siehe Abbildung). Eine Gleichverteilung der Anlagensumme auf beide Werte hätte eine Wertentwicklung von etwa 175 Prozent mit sich gebracht, was über den zehnjährigen Zeitraum einer jährlichen Rendite von rund 11 Prozent ohne Berücksichtigung von Dividenden entspricht.

Sasmung versus Nokia

Der risikomindernde Diversifikationseffekt lässt sich zusätzlich verstärken, wenn die Anlage in Unternehmen verschiedener Branchen oder Länder erfolgt. Empirisch sind häufig gegensätzliche Entwicklungen bei einzelnen Unternehmen festzustellen. Man spricht auch von negativen Korrelationen. Fällt beispielsweise der Ölpreis (wie in der zweiten Jahreshälfte 2014) deutlich, profitiert davon eine Fluggsellschaft wie Ryanair, da die Kosten für Kerosin sinken. Ein fallender Ölpreis ist andererseits für ein ölförderndes Unternehmen wie Total von Nachteil und wirkt belastend auf dessen Gewinne. Kauft ein Anleger daher sowohl Ryanair als auch Total, kann er das Risiko im Zusammenhang mit der Ölpreisveränderung reduzieren (siehe Abbildung).

Ryanair versus Total

Abschließend stellt sich die interessante Frage, ob sich durch eine möglichst hohe Anzahl an riskanten Wertpapieren das Risiko eines Portfolios auf null reduzieren lässt. In anderen Worten: Ist es möglich, durch den Kauf von hunderten von Aktien ein Portfolio ohne jegliche Schwankungen aufzubauen? Die meisten Leser werden diese Frage wohl mit nein beantworten und liegen dabei richtig. Zur Begründung muss hierbei zwischen dem sogenannten diversifizierbaren und nicht-diversifizierbaren Risiko unterschieden werden.

Risiko

Das diversifizierbare Risiko, auch als unternehmensspezifisches oder unsystematisches Risiko bezeichnet, lässt sich theoretisch durch eine hohe Anzahl an verschiedenen Wertpapieren vollständig eliminieren. Als unternehmensspezifisch gilt beispielsweise die Qualität des Managements oder die Innovationsfähigkeit und wurde weiter oben bereits diskutiert. Teilt man sein Geld auf sehr viele verschiedene Aktien auf, so werden diese unternehmensspezifischen Faktoren nahezu unbedeutend.

Dass sich ein Portfoliorisiko nicht vollständig ausschalten lässt, liegt am nicht-diversifizierbaren Risiko, welches auch als systematisches Marktrisiko verstanden wird. So gibt es unternehmensunspezifische Faktoren, wie z.B. die konjunkturelle Lage, die Inflation oder das allgemeine Zinsniveau, von denen jedes Unternehmen in unterschiedlichem Ausmaß betroffen ist. Beispielsweise war jedes Unternehmen vom weltweit wirtschaftlichen Abschwung während der Finanz- und Schuldenkrise betroffen. Dieses Marktrisiko muss jeder Anleger tragen und verlangt dafür eine Risikoprämie im Vergleich zur Anlage seines Geldes auf dem Festgeldkonto.

Zusammenfassend reduziert eine breite Diversifikation in der Regel die Kursschwankung eines Portfolios erheblich, ohne das Renditepotenzial zu beeinträchtigen. Kurzfristig kann mit Einzeltiteln zwar eine hohe Rendite erzielt werden, was sich in gewisser Weise jedoch mit Glücksspiel vergleichen lässt. Denn niemand kann genau vorhersagen, welche Aktie im kommenden Jahr zu den Gewinnern gehören wird. Nur eine breite Streuung von Anlageklassen kann das Rendite-Risiko-Potenzial optimieren.

In Abhängigkeit der Risikobereitschaft, der Anlageziele und des Anlagezeitraums kann das Risiko einer Kapitalanlage spezifisch auf einen Anleger zugeschnitten werden. Ein Anleger, der eine hohe Rendite wünscht, Wertschwankungen aushalten kann und einen langen Anlagezeitraum mitbringt, wird einen Großteil seines zur Anlage verfügbaren Vermögens ins Aktien investieren. Dagegen wird ein Anleger, der eine sichere Anlage mit geringen Schwankungen bevorzugt und möglicherweise nur einen kürzeren Anlagezeitraum hat, sein Geld überwiegend in festverzinsliche Anleihen investieren. Weitere Information hierzu finden sich unter Anlagestrategien.