Börsenpsychologie

Vor allem kurzfristig wird die Börse zu einem Großteil durch Psychologie beeinflusst. Harte Fakten können dann eine untergeordnete Rolle spielen, obwohl es ja gerade diese Fakten (z.B. Unternehmensgewinne) sind, die langfristig die Kursentwicklung bestimmen. Ein langfristig orientierter Anleger ist gut beraten, sich von kurzfristigen Stimmungen nicht beeinflussen zu lassen, da er sonst schnell Opfer seiner eigenen Emotionen werden kann.

Warum spielt aber Psychologie an der Börse kurzfristig eine so wichtige Rolle? Einfache Antwort: Weil es sich bei den Marktteilnehmern um Menschen handelt, die naturgemäß von Emotionen geprägt sind. Kennzeichnend für diese Emotionen sind vor allem Angst und Gier, die dazu führen können, dass sich Kurse irrational verhalten. So vervierfachte sich zum Beispiel der DAX zwischen den Jahren 1995 und 2000, was im völligen Widerspruch zur langfristigen Jahresdurchschnittsrendite von etwa acht Prozent steht. Unterstützt von Gier und übermäßiger Euphorie legte der Index alleine kurz vor seinem Hochpunkt bei 8.000 Punkten im März des Jahres 2000 innerhalb weniger Monate um 60 Prozent zu. Jeder Anleger wollte dabei sein. Diese Kursexzesse führten in der Folge zu massiven Abverkäufen, die den DAX innerhalb von nur drei Jahren um rund 75 Prozent seines Wertes abstürzen ließen. Viele Anleger verkauften panikartig ihre Wertpapiere.

Psychogramm des Aktionärs

Die Zeit um die Jahrtausendwende war durch extreme Kursschwankungen geprägt. Aber auch in der Folge gab es immer wieder größere Anstiege und Rückschläge, die von Gier und Angst begleitet wurden. Da in Deutschland die Einstellung gegenüber dem Eingehen von Risiken besonders vorsichtig ist, dürften diese extremen Kurschwankungen die Scheu der Deutschen vor der Aktie weiter vorangetrieben haben. Beim Blick auf die obige Abbildung wird deutlich, durch welche mentalen Berge und Täler ein Anleger an der Börse gehen kann, wenn er sich zu sehr vom kurzfristigen Geschehen beeinflussen lässt. Im Schlimmsten Fall kauft er dann zum absoluten Hochpunkt und verkauft zum absoluten Tiefpunkt. Macht ein Anleger diese für ihn negativen Erfahrungen, bleibt er möglicherweise für immer der Börse fern, obwohl eigentlich nicht die Börse schuld ist. Er selbst hat zentrale Fehler bei der Kapitalanlage begangen.

Zu viele Emotionen sind daher an der Börse ein schlechter Ratgeber. Wer langfristig erfolgreich sein will, darf sich nicht zu sehr von seinen Gefühlen oder seinem Bauchgefühl leiten lassen, sondern muss rational bleiben. Es wird auch in Zukunft immer wieder Phasen der Euphorie und der Panik geben. Manchmal bedarf es nur einer kleinen Meldung, dass Kurse kurzfristig deutlich steigen oder fallen können. Verstärkt wird der Effekt häufig durch das Herdenverhalten vieler Leute, die wie Lemminge in eine Richtung laufen.

Der Anleger sollte sich bewusst sein, dass sich der Wert eines Qualitätsunternehmens nicht gleich dadurch dramatisch verringert, weil der Euro Schwäche zeigt oder die Arbeitslosenquote um 0,1 Prozent gestiegen ist. Reagieren Kurse daher auf eine Meldung besonders stark, sollte der Anleger seine Aktien in größeren Panikphasen nicht zu Schleuderpreisen auf den Markt werfen. Ebenso sollte er nicht zu ängstlich einem steigenden Trend permanent nachschauen, sondern eine Aktie dann kaufen, wenn er von dieser überzeugt ist. Ist er mit dieser Aktie in der Gewinnzone, neigt ein Anleger viel zu häufig dazu, Gewinne zu schnell durch einen Verkauf zu sichern. Dabei wird unterschätzt, wozu sehr gute Aktien langfristig in der Lage sind.