Aktien in Deutschland

Viele Menschen tun sich in Deutschland im Allgemeinen mit den Themen Finanzen und Vermögensaufbau schwer. Sie empfinden diese Themen als lästig und unangenehm. Insbesondere ist Deutschland ein Land von „Aktienmuffeln“. Kaum eine Kapitalanlage hat es so schwer wie die Aktie. Laut der Aktionärstatistik des Deutschen Aktieninstituts besitzen gerade einmal etwa 7 Prozent der Bevölkerung ein Direktinvestment in eine Aktie. Dies entspricht etwa jeder 15. Person. Nimmt man diejenigen, die auch in Aktienfonds ihr Geld anlegen, erhöht sich diese Zahl leicht.

In anderen Ländern sieht die Situation komplett anders aus. So hat in den USA etwa jeder zweite Haushalt Aktien. Es bedarf allerdings nicht erst der Blick über den großen Teich, um unterschiedliche Aktionärsquoten in anderen Ländern zu beobachten. Auch in Europa liegen insbesondere die skandinavischen Länder, Holland, die Schweiz und Großbritannien weit vorne.

Ein Grund für die Unterschiede ist sicherlich darin zu sehen, dass die Altersvorsorgesysteme in anderen Ländern überwiegend kapitaldeckend mit hoher Aktienquote ausgestaltet sind. In Deutschland hat diesbezüglich immer noch die niedrig verzinste Lebens- oder Rentenversicherung einen hohen Stellenwert. Was sind aber weitere Gründe, dass der Deutsche im Gegensatz zu anderen Bevölkerungen der Aktie derart skeptisch eingestellt ist und sich eine Aktienkultur nur sehr langsam entwickelt? Fragt man Leute auf der Straße oder Studenten in Vorlesungen werden immer wieder die gleichen Argumente herangezogen:

Argument 1: „Aktien sind hochriskant und man kann sein gesamtes Geld verlieren“
Aktien werden hauptsächlich mit Verlusten in Verbindung gebracht. Wer sein Geld an der Börse anlegt, gilt vielmehr als Zocker oder Spekulant. Man dürfe maximal nur den kleinen Geldbetrag investieren, den man „übrig hat“ und als „Spielgeld“ betrachten kann. Börse wird häufig als eine Art Kasino betrachtet. Viele sind sich nicht bewusst, dass der Aktionär, der sein Geld langfristig seriös anlegt, einen Sachwert besitzt und anteiliger Firmeninhaber an den Maschinen, den Gebäuden, den Produkten und dem Know-How einer Firma ist. Natürlich ist die Aktie kein Selbstläufer und es gilt auch Fehler bei der Kapitalanlage zu vermeiden. Ein grundsätzliches Verständnis für Rendite und Risiko sowie Diversifikation zeigt jedoch, dass die Börse wie keine andere Geldanlage langfristig erhebliche Chancen bietet.

Argument 2: „Für die Börse braucht man viel Kapital“
Viele Menschen denken, dass nur Anleger mit viel Geld von den Renditechancen der Kapitalmärkte profitieren können. Wer nur ein paar Euro am Monatsende übrig hat, sollte erst gar nicht an eine Aktienanlage denken. Diese Meinung ist jedoch falsch. Bereits ab 25 Euro pro Monat lässt sich mit einem regelmäßig investierten ETF-Sparplan über viele Jahre ein Vermögen aufbauen. Man braucht demnach nicht sehr viel Kapital, um an der langfristigen Entwicklung der Börsen teilzuhaben. Welche Möglichkeiten es für das kleine Budget gibt, lesen Sie hier.

Argument 3: „Der nächste Börsencrash kommt bestimmt“
Unter einem Börsencrash wird ein sehr starker Kursrückgang von regelmäßig mehr als 20 Prozent verstanden, der sich in kurzer Zeit vollziehen kann. In der Tat wird es in den nächsten Jahren irgendwann wieder einen Crash geben. Wann das genau sein wird, kann kein Mensch mit Sicherheit prognostizieren. Allerdings ist der Begriff Crash irreführend. Denn schaut man sich vergangene so genannte Crashs an, so stellt man fest, dass diesen immer ein längerer Zeitraum übertriebener Kursanstiege vorausging. Dies war zum Beispiel bei den Börsencrashs im Jahr 1987, 1990, 1997, 2000 und 2008 der Fall. So gesehen stellt ein Börsencrash vielmehr eine Korrektur eines langfristigen Aufwärtstrends dar, der notwendig ist, um Euphorien und übermäßige Spekulationen abzubauen und Anleger auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. In der Vergangenheit zeigte sich, dass jeder Kursrücksetzer an der Börse wieder aufgeholt wurde und neue Höchststände im DAX oder Dow Jones zur Folge hatte.

Argument 4: „Schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit gemacht“
Es gab in Deutschland um die Jahrtausendwende kurzfristig ein Aufflackern einer Aktienkultur. Mit dem äußerst medienträchtigen Börsengang der Deutschen Telekom im Jahr 1996 trauten sich viele Menschen erstmalig eine Aktie zu kaufen. Die übertriebenen Kursanstiege bei wichtigen Aktienindizes trugen dazu bei, dass sogar die Bildzeitung zum Aktienkauf aufruf, Taxifahrer ihren Fahrgästen Tipps gaben und viele Menschen dachten, in kurzer Zeit zum Aktienmillionär zu werden. Umso schlimmer war der Aufschrei, als viele Spekulationsblasen plötzlich platzten und die Indizes in die Tiefe rauschten. Einige Anleger verloren viel Geld, da sie zentrale Fehler der Kapitalanlage machten und die Börse mehr als Kasino als eine langfristige Geldanlage betrachteten. Von diesem negativen Erlebnis sind viele Menschen bis heute geprägt und bleiben gänzlich der Börse fern. Sicherlich ein Fehler wie die letzten Jahre unter Beweis gestellt haben. Es zeigt sich umso mehr, dass die Kapitalanlage langfristig zu betrachten ist. Selbst wer am Hochpunkt der Spekulationsblase des Jahres 2000 im DAX eingestiegen ist, liegt heute mit seiner Anlage im Plus. Er hat zwar eine Rendite erzielt, die unter dem langfristigen Durchschnitt liegt, aber immer noch deutlich über den momentanen Festgeldzinsen.

Argument 5: „Man benötigt viel Wissen, um an der Börse zu investieren“
Schaut man auf den Stundenplan eines Schülers, liest man dort für die Allgemeinbildung sicherlich wichtige Fächer wie Biologie, Chemie, Erdkunde oder Musik. Die Suche nach einem Fach „Wirtschaft und Börse“ ist in den meisten Fällen aber vergebens. Viele Studenten beklagen, dass sie wenig bis gar nichts in ihrer Schulzeit zu diesem Themenbereich mitbekommen haben. So ist es auch nicht verwunderlich, dass viele Menschen unsicher im Zusammenhang mit der Geldanlage sind und aufgrund von mangelndem Know-How ihr Geld lieber auf vermeintlich sicheren Festgeldkonten horten. Allerdings muss man kein Experte sein, um an der Börse langfristig sein Geld anzulegen. Derjenige, der wenig Wissen hat oder sich schlichtweg nicht dafür interessiert, kann genauso erfolgreich sein wie der vermeintliche Profi. Er muss sein Geld lediglich auf eine andere Art und Weise investieren und typische Fehler bei der Kapitalanlage vermeiden. Welche Anlagestrategien es unter anderem für den Laien gibt, erfahren Sie hier.