Ist es ratsam, Empfehlungen von Analysten blind zu folgen?

Analysten von Banken oder auch unabhängigen Analysehäusern bewerten Aktien und sprechen Handelsempfehlungen aus. Je nach Größe und Ansehen des Finanzinstituts können die Empfehlungen kurzfristig gewisse Einflüsse auf den Kurs eines Wertpapiers haben. Konkrete Empfehlungen, die man in der Praxis hierzu liest, lauten:

Strong Buy = unbedingte Kaufempfehlung
Buy = Kaufempfehlung
Hold = Halten
Sell = Verkaufsempfehlung
Strong Sell = unbedingte Verkaufsempfehlung

Darüber hinaus werden nicht selten Kursziele beispielsweise für eine Aktie, einen Index oder eine Währung genannt. Was bringen diese Empfehlungen und Kursziele eigentlich für den Anleger? Eine recht eindeutige Antwort hierzu lautet: Gar nichts oder etwas milder ausgedrückt nicht viel! Das soll nicht bedeuten, dass Analysten keine Relevanz auf Finanzmärkten besitzen. Ihren Empfehlungen zu folgen, wird jedoch keine Überrendite für den Anleger bringen.

Zur Begründung:

Analysten kommen auf Basis von Bewertungsmodellen zu ihren Empfehlungen. Hierbei versuchen sie in die Zukunft zu schauen und die künftige Entwicklung von Wirtschaftsdaten, wie z.B. die Konjunktur oder Unternehmensgewinne, vorherzusehen. Allerdings besitzt kein Analyst der Welt eine Glaskugel oder kann die Zukunft wirklich prognostizieren. Zudem verwendet jeder so genannte Experte unterschiedliche Berechnungsansätze und kann an vielen Stellschrauben, wie z.B. dem Gewinnwachstum, drehen. Daher kommt es in der Regel zu äußerst unterschiedlichen Empfehlungen und es treten unvermeidlich Prognosefehler auf. Enttäuscht ein Unternehmen dann bei den Quartalsergebnissen, können sich die Meinungen der Experten auf einmal so schnell ändern wie das Wetter. Die Gewinnschätzungen werden dann drastisch reduziert und die Kursziele herunter genommen. Überrascht das gleiche Unternehmen im nächsten Quartal positiv, werden die Gewinnschätzungen sofort wieder nach oben revidiert. Hinter diesem Verhalten ist häufig auch ein so genannter Herdentrieb zu beobachten. Nur wenige Analysten möchten sich gerne gegen den allgemeinen Trend stellen und eine wirklich eigene Meinungen einnehmen. Die Folge sind dann meist zu hohe Gewinnschätzungen am Hochpunkt der Konjunktur und zu geringe Gewinnschätzungen zu Beginn einer wirtschaftlichen Erholung. Das Risiko als einziger daneben zu liegen, ist zu groß.

Fazit:

Analystenempfehlungen sollten eine gesunde Skepsis entgegengebracht werden. Sie liefern eine bestimmte Informationsgrundlage und können als Inspiration dienen, sollten aber nie die Basis für einen Kauf oder Verkauf sein. Nach Möglichkeit sollten mehrere Quellen herangezogen werden, um ein Gesamtbild zu erhalten. Ungleich wichtiger ist es, sich eine eigene Meinung über ein Unternehmen, einen Index oder eine Region zu bilden und sich nicht von einzelnen Quartalsergebnissen kurzfristig beeinflussen zu lassen. Die langfristige Ausrichtung einer Anlagestrategie macht unabhängig von kurzfristigen Analystenmeinungen und -schätzungen. Das Investieren in aussichtsreiche und erstklassige Unternehmen, die ein Produkt anbieten, das noch in 10 Jahren nachgefragt wird, gibt dem Anleger ohne Heranziehen eines Analysten eine eindeutige Langfristempfehlung, die da lautet: Strong Buy!