Home Bias: Zu viel Heimatverbundenheit schadet dem Anleger

Siemens, Daimler, Deutsche Telekom, Deutsche Bank oder Bayer – die meisten deutschen Anleger kennen diese Unternehmen! Weil sie zum Beispiel Mitarbeiter oder Kunden dieser Firmen sind. Was liegt dann nicht näher, als diese Unternehmen, die man scheinbar kennt, auch als Aktie in seinem Depot zu halten? Eine Umfrage deutscher Direktbanken hat herausgefunden, dass viele deutsche Anleger beim Investieren eine große Heimatverbundenheit zeigen. So stammen in vielen Fällen neun von zehn Titel aus dem DAX. Die Tendenz, sein Geld insbesondere in heimische Unternehmen zu investieren, wird auch als „Home Bias“ bezeichnet. Es handelt sich dabei um einen klassischen Anlagefehler.

Wer als Anleger zu stark auf einheimische Aktien setzt, nimmt höhere Kursschwankungen in Kauf und verzichtet häufig zusätzlich auf Rendite. Die Chancen der internationalen Kapitalmärkte bleiben dadurch ungenutzt. Der Anleger sollte bedenken, dass der deutsche Aktienmarkt trotz seiner Größe einen vergleichsweise geringen Anteil am gesamten Weltmarkt hat. Diese Heimatliebe ist übrigens kein rein deutsches Phänomen, sondern ist im Allgemeinen auch in anderen Ländern festzustellen. So investiert der Schweizer gerne in Firmen wie Nestle, Roche oder Lindt, während der Amerikaner gerne Firmen wie Apple, Microsoft oder IBM in seinem Depot hält.

Durch die Vorliebe für heimische Aktien verliert der Anleger die Streuung (Diversifikation) in seinem Depot aus dem Auge. Denn Aktien aus einem Land tendieren stärker dazu, in die gleiche Richtung zu laufen als Aktien aus verschiedenen Ländern. Man bezeichnet diesen Zusammenhang auch als Korrelation. Während zu Beginn des Jahres deutsche Aktien alle sehr stark nach oben liefen, verloren sie in den letzten Monaten deutlich an Wert. Ein Anleger mit einem international ausgerichteten Depot hätte die extremen Kursbewegungen in Deutschland weniger stark mitgemacht. Sein Depot schwankt also weniger und profitiert von den weltweiten Chancen. Zudem sind bestimmte Branchen in Deutschland stärker als andere vertreten, wodurch sich ein Anleger mit Fokus auf Deutschland von einzelnen Branchen abhängig macht. So hat die Automobilbranche oder der Maschinenbau in Deutschland eine große Bedeutung. Dagegen findet man Unternehmen aus der Nahrungsmittelbranche oder Ölbranche weniger.

Ein Anleger sollte daher bei seiner Anlage darauf achten, dass er sein Geld breit streut, indem er in verschiedene Märkte, Branchen und Regionen investiert. Hierzu zählt, dass der Großteil nicht in deutsche Aktien fließt, sondern eben auch in Unternehmen aus den USA, Europa und Asien. Hierbei können internationale Aktienfonds unterstützen, die eine breit diversifizierte Anlagestrategie verfolgen. Mit dem Kauf eines ETFs auf den MSCI-World kauft der Anleger automatisch etwa 1.600 Aktien aus vielen verschiedenen Regionen dieser Welt.

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