FED-Leitzinserhöhung: Wann haben Aktien historisch davon profitiert?

Kurz vor Ende des Jahres 2015 haben die Währungshüter der amerikanischen Notenbank FED für einen historischen Einschnitt gesorgt. Denn zum ersten Mal seit dem Jahr 2006 wurden die Leitzinsen wieder angehoben, nachdem diese sieben Jahre bei der Nulllinie lagen. Grundsätzlich stellt eine Zinswende eine Belastung für den Kapitalmarkt dar, da dann alternative Anlagen konkurrenzfähiger werden. Daher haben Börsianer in der Regel Angst vor steigenden Zinsen. Sind diese Ängste jedoch berechtigt? Dieser Beitrag klärt auf, wie Investoren eine Zinswende interpretieren sollten und wann Aktien in der Vergangenheit davon sogar profitieren konnten.

Was bewirken Leitzinsveränderungen der FED?

Notenbanken können durch die Veränderung des Leitzinssatzes die Wirtschaft eines Landes beeinflussen. Werden Zinsen gesenkt, wirkt sich dies im Allgemeinen positiv auf die Investitionstätigkeit von Unternehmen aus, da Kredite günstiger aufgenommen werden können. Aber auch der private Sektor sieht in einem Umfeld niedriger Zinsen weniger Anreiz zum Sparen und kurbelt durch höheren Konsum die Wirtschaft an. Im Gegensatz dazu bedeutet ein Anstieg von Zinsen, dass sich Kredite verteuern, die Unternehmen für ihre Investitionen aufnehmen. Entweder werden Ausgaben dann komplett gestrichen oder aber die Gewinne reduzieren sich aufgrund der höheren Zinsbelastung.

Sind Zinserhöhungen immer schlecht für Börsen?

Da aber auch die Aktienmärkte in einem Umfeld steigender Zinsen eher an Attraktivität verlieren, da alternative Anlagen nun auch Zinsen abwerfen, sehen die Börsen die Zinswende in diesen Tagen mit sehr gemischten Gefühlen. Dies spiegelt sich in relativ hohen Kursschwankungen wider, die zum Ende eines Jahres eigentlich recht untypisch sind. Dennoch sollte eine Zinswende sehr differenziert betrachten werden. In der Vergangenheit waren steigende Zinsen vor allem dann eine größere Belastung für Börsen, wenn diese sich sehr schnell vollzogen. Schnell bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die FED die Zinsen bei jedem weiteren Treffen erhöhte. Wurden die Zinsen dagegen nur bei jedem zweiten Treffen angehoben, reagierten die Börsen in den zwölf Monaten nach Beginn der Zinswende sogar recht positiv wie die nachfolgende Grafik (Quelle: FAZ) beweist:

Zinswende USA

Zu bedenken ist, dass sich die Zinsen trotz der Erhöhung weiter nahe der Nulllinie befinden und aus heutiger Sicht keine wirkliche Anlagealternative darstellen. Die Notenbankchefin Yellen kündigte in ihrer Rede zwar an, dass weitere Zinsschritte folgen werden, allerdings betonte sie auch, dass diese von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängig gemacht würden. Insofern lässt sich kein schneller Zinserhöhungszyklus daraus ableiten. Zumal ein zu hoher Zinssatz die amerikanische Wirtschaft, die allmählich an Fahrt aufnimmt, recht schnell wieder abwürgen könnte. Zudem würde der US-Dollar gegenüber dem Euro weiter an Stärke gewinnen, was sich ebenfalls negativ auf die Exportgewinne der US-Firmen auswirken sollte.

Die Notenbanken sind sich in der heutigen Zeit durchaus bewusst, welche Auswirkungen ihre Zinspolitik auf Wirtschaft und Kapitalmarkt haben. Sie werden daher mit ihren Instrumenten sorgsam und durchdacht umgehen. Die Zinsentwicklung hat eine Bedeutung für die Kapitalmärkte, allerdings sollten Anleger der Wachstumsstrategie und Dividendenstrategie bedenken, dass sich Qualitätswerte wie VISA, Novo Nordisk oder Church & Dwight auch unabhängig vom Zins gut entwickeln können und ihr Aktienkurs nach oben laufen kann. Steigende Zinsen sind darüber hinaus auch Zeichen wirtschaftlicher Stärke, was der eigentliche Nährboden für weiter steigende Gewinne darstellt.