Dieses EU-Gesetz zeigt: Ein Langfristanleger braucht nur bedingt Quartalsberichte

Seit dem 27. November 2015 gilt das deutsche Umsetzungsgesetz zur EU-Transparenzrichtlinie. In diesem Zusammenhang kippte die EU die gesetzliche Pflicht für Quartalsberichte. Dies bedeutet, dass börsennotierte Unternehmen künftig keine ausführliche Quartalsberichterstattung im ersten und dritten Quartal des Geschäftsjahres mehr abliefern müssen. Manche Marktteilnehmer befürchten nun, dass die Transparenz durch die geringere Informationsversorgung abnehmen könnte. Andere wiederum begrüßen die Gesetzesänderung. Dieser Beitrag beurteilt, welche Bedeutung das neue Gesetz für den Langfristanleger hat.

Börsennotierte Unternehmen sind natürlich weiterhin verpflichtet, wie bisher ausführliche Halbjahres- und Jahresberichte mit umfangreichen Informationen zu erstellen. In der quartalsweisen Kommunikation kann sich ein Unternehmen jedoch mittlerweile auf eine abgespeckte Version beschränken und nur noch bestimmte Mindestanforderungen erfüllen wie z.B. Eckdaten zur Geschäftsentwicklung oder wesentliche Veränderungen der Prognosen. Somit werden künftig umfangreiche Geschäftsberichte überflüssig.

Das Gesetz ist ein richtiger Schritt in Richtung der Förderung langfristigen unternehmerischen Denkens. Der Fokus geht damit weg von der Steuerung durch kurzfristige Impulse, die durch Quartalsberichte ausgelöst wird. Nicht selten wird nämlich Quartalsergebnissen eine zu große Bedeutung geschenkt, wodurch der Blick auf das Wesentliche verloren gehen kann. Das Wesentliche sind die langfristigen Gewinnaussichten eines Unternehmens und nicht die Gewinnzahlen eines jeden Quartals. Lesen Sie dazu auch den verwandten Beitrag hier.

Profitieren können durch die Gesetzesänderung auch die Unternehmen selbst, da sie sich den Aufwand und die Kosten der umfangreichen quartalsweisen Berichterstattung sparen könnten. Inwieweit hiervon in Zukunft Gebrauch gemacht wird, bleibt abzuwarten. Mehrere Konzerne haben jedoch bereits ihre Berichterstattung zuletzt schon zurechtgestutzt. Es ist jedoch auch gut möglich, dass so mancher Konzern unter dem Druck der Investoren letztlich klein beigibt und trotzdem weiterhin detaillierte Zahlen liefern wird. Ein Mittelweg könnte hier in Zukunft die Lösung sein, also eine Konzentration auf das Wesentliche mit den notwendigen Freiheiten, eigene Schwerpunkte zu setzen.

Grundsätzlich ist das Gesetz eine sehr lobenswerte Initiative und ein Schritt in die richtige Richtung, denn es erzieht Anleger dazu, wieder mehr langfristig zu denken. Kein Investor benötigt alle drei Monate ausführliche Zahlen zu Unternehmen wie McDonald´s, Novo Nordisk, Fresenius oder Henkel. Geschäftszahlen bleiben natürlich weiterhin ein zentrales Informationswerkzeug für die Anleger. Es muss aber nicht alle drei Monate ein Roman sein.

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