Die Kontrolle der Emotionen: China erteilt uns eine Musterlektion

Was war das für eine nervenaufreibende Börsenwoche mag sich der ein oder andere Anleger denken. Innerhalb von nur einer Woche bewegt sich der deutsche Aktienindex in einer Schwankungsbreite, die er normalerweise in einem ganzen Börsenjahr im Durchschnitt vollzieht. Nach den aufgekommenen Wirtschaftsängsten aus China schien der DAX innerhalb kürzester Zeit ohne Gegenbewegung ins Bodenlose zu stürzen. Die Medien übertrafen sich mit Negativschlagzeilen. Die Stimmung war wohl seit Jahren nicht mehr auf einem derartigen Tiefpunkt angelangt. Der Gipfel der Panik wurde am Montag erreicht, als der Leitindex bis auf fast 9.300 Punkte stürzte. Spätestens bei diesem Indexstand wurde es den meisten Leuten mulmig. Panik machte sich breit.

DAX Crash und Erholung

Wohl demjenigen, der seine Emotionen in dieser Phase unter Kontrolle hat und sich nicht anstecken lässt. Der sich auf den eigentlichen Sinn einer Langfristanlage beruft und sich im Klaren ist, dass er sich an den langfristigen Gewinnen einer Firma beteiligt. Der sich die Frage stellt, ob in zehn Jahren z.B. Fielmann mehr oder weniger Brillen verkauft oder sich mehr oder weniger Menschen die Zähne mit Colgate-Produkten putzen werden. Wer sich hier sinnhafte Antworten gibt, der wird nicht unruhig, nur weil seine Aktie 10-20 Prozent temporär verliert. Sich von Emotionen steuern lassen, gehört sicherlich zu den größten Fehlern bei der Kapitalanlage. Nur wenige Tage nach dem kurzfristigen Crash steht der DAX wieder dort, wo er vor einer Woche stand. Selten gab es in der Börsengeschichte in so einer kurzen Zeit absolut und prozentual gesehen eine derart schnelle Erholung wie in den letzten Tagen. Gute Wirtschaftsdaten aus den USA und Deutschland und eine gewisse Beruhigung in China führten zu dem sehr raschen Kursanstieg.

Dies bedeutet nicht, dass die Korrektur bereits vorbei ist. Gerade die nächsten Wochen sind häufig durch saisonal hohe Schwankungen geprägt. Märkte sind (und waren schon immer) sehr volatil. Wer jedoch gerade in den letzten Tagen diese ernste Prüfung seines Temperamentes bestanden und nicht aus Panik verkauft hat, wird hoffentlich auch in der nächsten Phase genauso besonnen wieder handeln. Nur so ist es möglich, langfristig mit höheren einstelligen Renditen belohnt zu werden. Denn für die Übernahme von Risiko, die sich genau in diesen Kursschwankungen widerspiegelt, erhält der Langfristanleger eine attraktive Belohnung. Trotz oder gerade wegen der so genannten Volatilität des Marktes lässt sich Geld verdienen. Ein Blick zurück in die Geschichte zeigt, dass der DAX in den vergangenen 40 Jahren rund neun Prozent pro Jahr im Schnitt dazu gewann – und das bei all den bekannten Krisen.

Niemand weiß, wie lange China noch die Nerven der Börsianer strapazieren wird. Es werden auch wieder andere Themen die Gemüter der Anleger beeinflussen. Keiner hat auch nur eine geringste Ahnung, was morgen, nächste Woche oder noch in diesem Jahr passieren wird. Wer es doch behauptet, der kann sich Prophet nennen. Die Chancen stehen aber gut, dass sich auch nach dieser holprigen Zeit die Wogen wieder glätten werden und sich ein Langfristanleger an seinen Investitionen erfreuen wird.