Der Zinseszinseffekt – das langfristige Wunder der Kapitalanlage

Bereits Albert Einstein merkte an: „Die größte Erfindung des menschlichen Geistes? – Die Zinseszinsen!“

Dem Zitat her zu deuten, ist das Phänomen der Zinseszinsen keine wirkliche Neuheit. Dennoch spielt es beim nachhaltigen und langfristigen Vermögensaufbau eine äußerst bedeutende Rolle. Der Zins ist im Allgemeinen eine Art Entschädigung dafür, dass ein Sparer sein Geld für eine bestimmte Zeit einer anderen Person überlässt und dadurch auf Konsum verzichtet. Je nach Risiko und Dauer der Geldanlage schwanken Zinsen in ihrer Höhe. Zinsen werden als ein Prozentsatz pro Jahr (p.a.) angegeben und quartalsweise, halbjährlich oder jährlich ausgezahlt.

Legt ein Sparer zum Beispiel 50.000 Euro für ein Jahr zu einem Zinssatz von drei Prozent an, erhält er nach einem Jahr Zinsen in Höhe von 1.500 Euro. Entnimmt der Sparer jeweils die Zinsen am Ende eines Jahres, ändert sich die Ausgangsbasis von 50.000 Euro nicht, so dass auch die jährliche Zinshöhe gleich bleibt. Ein Zinseszinseffekt entsteht erst dann, wenn die angefallenen Zinsen aus dem ersten Jahr wieder angelegt werden. Im vorliegenden Beispiel würden somit im zweiten Jahr der Ausgangsbetrag inklusive der Zinsen von zusammen 51.500 Euro wieder angelegt und verzinst. Bei einem Zinssatz von drei Prozent ergeben sich am Ende des zweiten Jahres bereits Zinsen in Höhe von 1.545 Euro, also 45 Euro mehr Zinsen als ein Jahr zuvor. Wird das Geld über zehn Jahre auf diese Art und Weise weiter angelegt, betragen die Zinsen im letzten Jahr bereits 1.957 Euro und somit 457 Euro mehr als im ersten Jahr. Im Allgemeinen berechnet sich der Zinseszinseffekt über folgende Formel:

Zinseszinseffekt

Im vorliegenden Beispiel kommt man gemäß der Formel auf ein Endkapital nach zehn Jahren von:

Zinseszinseffekt 10 Jahre

Bezogen auf den Vermögensaufbau zeigt sich die Wirkung des Zinseszinseffekts zu Beginn erst langsam. Erst nach einigen Jahren spielt der Zinseszinseffekt seine Stärke aus und beschleunigt das Vermögenswachstum erheblich. Hierzu ist also eine Menge Geduld gefragt, die sich jedoch früher oder später auszahlen wird. Je früher ein Anleger daher mit dem Vermögensaufbau beginnt, desto mehr kann er vom Zinseszinseffekt profitieren. Neben der Anlagedauer spielt jedoch auch die Anlageklasse und die damit einhergehende Renditeerwartung eine wichtige Rolle. Über viele Jahre kann ein Renditeunterschied von wenigen Prozentpunkten einen erheblichen Einfluss auf das Endvermögen haben. Bringt ein Anleger daher einen langen Anlagezeitraum mit, sollte er Aktien übergewichten, da bei dieser Anlageklasse die höchsten Renditen langfristig zu erwarten sind. Folgende Grafik verdeutlicht den Einfluss der Rendite auf den langfristigen Zinseszinseffekt und das zu erwartende Endvermögen über einen Anlagezeitraum von 35 Jahren. Es zeigt sich, dass eine Anlage von beispielsweise 20.000 Euro zu 7 Prozent (z.B. über ein breit gestreutes Aktiendepot) am Ende des Zeitraums ein um rund 185.000 Euro höheres Endvermögen bringt als die Anlage zu einem 1 Prozent (z.B. über ein Termingeldkonto).

Zinseszinseffekt Anlageklassen 35 Jahre