Euro und Anleihemarkt zeigen die kurzfristige Unberechenbarkeit der Märkte

Noch Mitte April betrug ein Euro weniger als 1,05 US-Dollar. Es schien nur noch eine Frage der Zeit bis die Parität erreicht werden würde. Auch die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen waren zu diesem Zeitpunkt bis auf 0,05 Prozent gefallen. Es handelte sich scheinbar nur noch um wenige Tage, bis auch diese Bundesanleihen eine Negativrendite aufweisen würden. Dass es an den Kapitalmärkten ganz anders kommen kann wie es die Mehrheit der Marktteilnehmer erwartet, zeigt sich nur vier Wochen später. Der Euro stand zwischenzeitlich bei fast 1,15 US-Dollar und die Umlaufrendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg in kurzer Zeit bis auf über 0,5 Prozent. Vor allem der dramatische Absturz der Kurse am Anleihemarkt (Kurse verhalten sich gegensätzlich zu den Renditen) beweist wie unberechenbar Kapitalmärkte kurzfristig sein können. Viele Marktteilnehmer waren über diesen auch als „Flash- oder Blitz-Crash“ bezeichneten Absturz mehr als überrascht.

Was waren die Gründe hinter diesen unerwarteten Bewegungen auf dem Währungs- und Anleihemarkt? Insbesondere hatten sich durch die extremen Entwicklungen beim Euro bzw. bei den Renditen am Anleihemarkt Kurse gebildet, die möglicherweise nicht mehr den Fundamentaldaten (dazu gehören Wirtschaftswachstum, Inflation oder Schuldenstand) entsprachen. Ergeben sich durch Spekulationsblasen gewisse Fehlbewertungen der Preise, bedarf es manchmal nur eines einzigen auslösenden Ereignisses, dass solche Blasen platzen können. So äußerte sich ein einflussreicher Investor, dass sich die Entwicklung der Renditen bald umkehren werde und die Kurse fallen werden. Darüber hinaus wurden unerwartet schwache Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsdaten aus den USA gemeldet, die eine baldige Zinswende durch die US-Notenbank FED wieder mehr in Frage stellen. Gleichzeitig hellt sich die wirtschaftliche Situation in Europa leicht auf, so dass der Euro und die Renditen europäischer Anleihen davon profitieren. Zudem gibt es viele Investoren, die auf einen fallenden Euro und eine sinkende Rendite deutscher Bundesanleihen in den letzten Wochen gesetzt haben. Kommt es dann zu einer unerwartet schnellen Gegenbewegung, müssen sich diese Investoren „eindecken“. Man spricht hier von einem so genannten „Short-Squeeze“, was die Gegenbewegung weiter beschleunigt.

Wie sich Euro und die Kurse am Anleihemarkt weiter entwickeln, ist reine Spekulation. Sicherlich können der Euro oder auch die Renditen am Anleihemarkt wieder fallen. Die letzten Wochen sollen dem Langfristinvestor aber deutlich machen, dass kurzfristig an der Börse alles möglich ist. So fiel auch der DAX unerwartet um über 1.000 Punkte. Der starke Euro gilt als Belastung für die exportorientierten deutschen Unternehmen. Auf der anderen Seite ist ein etwas schwächerer Dollar wiederum gut für die im Ausland agierenden US-Firmen. Kein Wunder, dass der Dow Jones in den Tagen des schwächeren Dollars sehr stabil blieb. Ein langfristig orientierter Investor sollte sich von all diesen Meldungen nicht verrückt machen, sondern sich auf seine Strategie berufen und diese diszipliniert verfolgen. Manchmal hilft es in den hektischen Zeiten auch, Meldungen einfach einmal zu ignorieren und die Kurse nicht jeden Tag zu beobachten.