Der Börsenwahnsinn in China: Hausfrauen im Spekulationsrausch

Ein Blick zurück in die Vergangenheit zeigt, dass sich auch an der Börse Geschichten zu wiederholen scheinen. Vor etwa 15 Jahren platzte die Internetblase. Nach fulminanten Kursanstiegen bei Technologie- und Internetaktien über zahlreiche Monate hinweg stürzten die Börsen weltweit in die Tiefe und führten zu einer langwierigen Korrektur. Euphorische Anleger, die teilweise zum ersten Mal Aktien kauften, wurden auf den Boden der Tatsache zurückgeholt und lernten die negativen Seiten der Börse kennen. Viele Anleger erholten sich bis heute von diesem Ereignis nicht und kehrten der Börse für immer den Rücken. 15 Jahre später bildet sich nun in China erneut eine Spekulationsblase, die zum Teil an die Blasenbildung Anfang des neuen Jahrtausends erinnert. Was sind aber die typischen Anzeichen, dass es sich an den chinesischen Börsen möglicherweise um eine Blase handelt?

Shanghai Composite Index

Innerhalb nur weniger Monate vollzog sich ein massiver Anstieg des Shanghai-Composite-Index. So legte der Index innerhalb eines Jahres von 2.000 Punkte auf über 5.000 Punkte um mehr als 150 Prozent zu. Ein Blick auf den Chart zeigt den fahnenstangenähnlichen Verlauf seit einigen Monaten. Der Anstieg vollzieht sich ohne jegliche Korrektur. Kleine Rücksetzer werden sofort zu Käufen genutzt. Man spricht in diesem Zusammenhang auch davon, dass „die Hausse die Hausse nährt“. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zahlreicher Unternehmen beträgt mittlerweile über 50 (zum Vergleich: der DAX weist ein KGV von etwa 15 auf). Zum Teil ist Chinas Börsenrausch auch politisch gewollt: Ein deutlicher Preisverfall auf dem Immobilienmarkt hindert viele Chinesen bei der Vermögensbildung. Die Börse soll nun als Alternative zum Vermögensaufbau dienen und die Binnennachfrage mittelfristig ankurbeln.

Das Problem ist jedoch, dass viele Chinesen die Börse mittlerweile als eine Art Selbstläufer betrachten, so dass immer mehr unerfahrene Investoren den Zugang finden. So spekuliert jeder dritte Student an den chinesischen Börsen, größtenteils mit Geldgeschenken von Verwandten. Sämtliche soziale Schichten finden sich in der Zwischenzeit unter den Privatanlegern – vom Taxi- bis zum Porschefahrer. Familienväter kündigen ihre Arbeitsplätze, um ihre Zeit für die Börsen nutzen zu können. Sogar Hausfrauen sind im Spekulationsrausch und investieren Teile ihres Vermögens. Jeden Tag werden Millionen von neuen Aktiendepots eröffnet. Insbesondere nimmt der Anteil von kreditfinanzierten Aktienkäufen dramatisch zu. Kurzum erinnert vieles sehr stark an die Zeit in Deutschland um die Jahrtausendwende. Die Folgen von damals sind bekannt. Die Frage an Chinas Börse ist daher nicht, ob die Spekulationsblase platzt, sondern eher wann. Je stärker die Kurse weiter steigen werden, desto dramatischer werden die Folgen sein. Gerade bei kreditfinanzierten Käufen wird es zu Zwangsverkäufen kommen, wenn die Kredite durch die Aktienbestände nicht mehr ausreichend gedeckt sind. Möglicherweise wird dann ähnlich wie in Deutschland eine Aktienkultur zerstört und die Anleger wollen über Jahre hinaus mit dem Thema nichts zu tun haben. Der Langfristanleger sollte am Beispiel Chinas lernen, dass die Börse keine kurzfristige Spielwiese für Zocker ist, sondern ein Instrument des langfristigen Vermögensaufbaus. Ein schlechter Ratgeber ist, sich von Gier und Euphorie verleiten zu lassen und in solchen Phasen noch auf den fahrenden Zug aufspringen zu wollen. Die Gefahr ist dann groß, dass das Kartenhaus irgendwann zusammenfällt.

Nachträgliche Anmerkung am 15.07.:
Mittlerweile ist der befürchtete Crash eingetreten und der chinesische Aktienmarkt hat um mehr als 30 Prozent korrigiert!