Passive Anlagestrategien

Passive Anlagestrategien haben in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung hinzugewonnen. Mittlerweile sind weltweit bereits über 3,5 Billionen US-Dollar in so genannten ETFs (Exchange Traded Funds) angelegt. In den kommenden Jahren ist mit einer zunehmenden Entwicklung zu rechnen. Ein ETF ist ein börsengehandelter Indexfonds, der täglich jederzeit gekauft und verkauft werden kann. Ein Anleger findet somit ein hochliquides Anlageinstrument vor, das wie eine einzelne Aktie gehandelt werden kann. Ein ETF lässt sich als Einmalanlage sowie als Sparplan optimal einsetzen.

Bei einem ETF handelt es sich um einen passiv gemanagten Fonds. Im Gegensatz zu einem aktiv verwalteten Fonds macht sich ein Fondsmanager demnach keine Gedanken darüber, welche Werte der Fonds enthalten soll oder wann der beste Kauf- bzw. Verkaufszeitpunkt ist. Mit einem ETF wird ein bestimmter Markt (z.B. ein Aktienindex wie der DAX oder Dow Jones) genau abgebildet, indem die dem Markt zugrunde liegenden Wertpapiere in der entsprechenden Gewichtung gekauft werden. Passive Fonds sind somit das Spiegelbild eines Marktes oder eines Marktsegments.

Grundsätzlich könnte ein Anleger einen bestimmten Markt auch selbst abbilden, indem er alle Aktien dieses Marktes kauft. Dieses Vorgehen wäre allerdings sehr aufwendig und mit hohen Transaktionskosten verbunden, da ständige Anpassungen aufgrund sich verändernder Gewichtungen notwendig wären. Anstatt demnach alle 30 DAX-Werte einzeln zu kaufen, kann der Anleger den DAX über einen Indexfonds oder ETFs direkt in einem Finanzprodukt erwerben. Dadurch lassen sich hohe Transaktionskosten einsparen. Neben ETFs auf Aktien gibt es mittlerweile auch ETF beispielsweise auf Anleihen, Rohstoffe oder Devisen.
Vor- und Nachteile eines ETF

Welche Vorteile bietet ein ETF?

Die Anlagephilosophie eines ETFs ist sehr einfach und verständlich. Gerade für Menschen, die sich mit der Börse wenig auskennen oder nicht bereit sind, viel Zeit hierein zu investieren, bieten sich ETFs an. Es besteht eine sehr hohe Transparenz bezüglich der in einem Index enthaltenen Werte. So weiß ein Anleger eines DAX-ETFs, dass er indirekt an den 30 größten Unternehmen in Deutschland beteiligt ist, also zum Beispiel an Siemens, Bayer, Fresenius, Henkel & Co.

Es besteht eine hohe Klarheit bezüglich der genauen Wertentwicklung des gekauften ETFs. Im Gegensatz zu aktiven Anlagestrategien verfolgt die passive Strategie nicht das Ziel, die Rendite eines Vergleichsindex (z.B. DAX oder Dow Jones) zu schlagen, sondern sich mit der Marktrendite bei vergleichbarem Risiko zu begnügen. Wenn also der DAX ein Prozent steigt, nimmt der Wert des ETFs ebenfalls um ein Prozent zu und umgekehrt.

Diversifikation spielt eine der wesentlichen Rollen bei der Geldanlage. Durch eine breite Streuung über verschiedene Indizes, Länder, Branchen und Anlageklassen lässt sich das Schwankungsrisiko eines Portfolios deutlich reduzieren. Auch aktive Fonds bieten gute Möglichkeiten der Streuung. Jedoch lässt sich mit ETFs besonders einfach ein breit gestreutes Portfolio kostengünstig aufbauen, das ein hohes Diversifikationspotenzial aufweist.

Ein wesentlicher Vorteil von passiv gemanagten Fonds liegt in den geringen einmaligen und laufenden Kosten. In der Regel fällt beim Kauf eines ETFs kein Ausgabeaufschlag an und die fortlaufenden Verwaltungsgebühren liegen meist unter 0,5 Prozent pro Jahr. Bei aktiv verwalteten Fonds fallen einmalige Ausgabeaufschläge von bis zu 5 Prozent und Verwaltungskosten von nicht selten 1,5 Prozent pro Jahr an. Langfristig können die geringeren Kosten bei einem ETF einen erheblichen Renditevorteil bringen, wenn die Nettorendite (= Rendite nach Kosten) höher ausfällt. Lesen Sie hier mehr zu diesem Thema.

Häufig zeigt sich, dass aktive Anlagestrategien langfristig zu keinen besseren bzw. sogar zu schlechteren Anlageergebnissen als passive Strategien führen. Wenige aktive Fonds schlagen den Markt auf lange Sicht. Daher führt ein ETF nicht selten zu einem unter Risiko- und Renditeaspekten maximalen Anlageerfolg.

Darüber hinaus besteht bei der Anlage in einen ETF keine Abhängigkeit vom Erfolg des Fondsmanagements. Das Risiko eines aktiv verwalteten Fonds kann darin bestehen, dass sich das dem Fonds zugrunde liegende Management ändert, weil zum Beispiel ein erfolgreicher Fondsmanager zu einer anderen Gesellschaft wechselt. Ob das nachfolgende Management genauso erfolgreich ist, ist dann fragwürdig. Bei einem ETF spielt die Qualität des Management eine sehr untergeordnete Rolle.

Welche Nachteile hat ein ETF?

Durch den Kauf eines ETFs kann keine Outperformance eines Marktes erreicht werden, d.h. der ETF entwickelt sich nicht besser als ein entsprechender Vergleichsindex. Erwirbt ein Anleger also einen ETF auf einen Index und legt dieser Index um zehn Prozent zu, so erzielt der ETF genau diese Rendite, jedoch nicht mehr. Auf der anderen Seite sei angemerkt, dass viele aktive Fonds einen Vergleichsindex erst gar nicht schlagen und sich ein Anleger daher mit der Marktrendite zufrieden zeigen sollte.

ETFs bieten häufig standardisierte Lösungen, wie z.B. den Kauf eines Index oder einer Branche, jedoch weniger maßgeschneiderte Lösungen an. Wer einen Index kauft, beteiligt sich somit automatisch auch an denjenigen Aktien, die nur eine unterdurchschnittliche Performance aufweisen und die der Anleger bei einer Einzelauswahl womöglich nicht kaufen würde. Möglicherweise kann ein Anleger durch den selbstständigen Kauf von dividendenstarken Unternehmen eine langfristig attraktive Dividendenstrategie verfolgen, die eine passive Anlageform nur unzureichend abbildet. Auch mit einer aktiven Wachstumsstrategie lässt sich durch den gezielten Kauf von Qualitätsunternehmen langfristig eine gute Performance erzielen, die nicht unbedingt hinter den Renditen passiver Anlagestrategien stehen muss.

Da ein ETF die Wertentwicklung eines Index genau abbildet, ist der Fonds einem Abwärtstrend komplett ausgeliefert. Korrigiert die Börse wie in der Finanzkrise sehr stark, vollzieht der ETF ebenfalls diese Korrektur. Ein aktiver Fonds könnte in einer solchen Phase gegebenenfalls durch Stop-Loss-Kurse Verluste begrenzen oder eine größere Cashposition aufbauen. Dieses Vorgehen ist bei einem passiven Fonds nicht möglich. Allerdings spielt auf lange Sicht die Wahl des richtigen Kauf- und Verkaufszeitpunktes („Timing“) nur eine untergeordnete Rolle.

Wie bei aktiven Investmentfonds stellen auch passive Fonds Sondervermögen dar und sind damit im Falle der Insolvenz einer Kapitalanlagegesellschaft von der Insolvenzmasse ausgenommen. Ein Anleger geht damit beim Kauf eines ETFs grundsätzlich kein Emittentenrisiko ein. Allerdings sollte ein Anleger beachten, dass beim Kauf eines so genannten Swap-basierten ETFs ein theoretisches Kontrahentenrisiko besteht, da ein Teil der Zahlungsströme über Derivate abgebildet wird. Dieses Risiko ist jedoch eher theoretisch zu sehen, da der Swap-basierte Anteil in einem Fonds sehr gering ist. Möchte ein Anleger daher sichergehen, sind so genannte physisch-replizierte ETFs zu bevorzugen, da diese die dem Index zugrunde liegenden Werte auch tatsächlich vollständig enthalten.