Wachstumsstrategie

Ein Aktienindex besteht aus zahlreichen Unternehmen verschiedener Branchen und stellt somit eine Art Querschnitt einer Wirtschaft dar. Je nach Indexermittlung fließen die Aktien der Unternehmen unterschiedlich in die Berechnung mit ein, wobei sich der tägliche Indexstand vereinfacht aus einem Durchschnitt aller im Index enthaltenen Werte ergibt. Ein Durchschnitt umfasst somit sowohl die Aktien mit positiver als auch negativer Kursentwicklung.

Eine kurzfristige Betrachtung einzelner Unternehmen ist für einen Langfristanleger wenig aussagekräftig. Ein mehrjähriger Betrachtungszeitraum bringt jedoch aufschlussreiche Erkenntnisse. Schaut man auf den langfristigen Chart bestimmter Unternehmen, lassen sich Verläufe feststellen, die trotz temporärer Schwankungen scheinbar nur eine Richtung kennen, nämlich die „von links unten nach rechts oben“. Diese Unternehmen werden vorliegend als Wachstumsaktien bezeichnet und nachfolgend an ausgewählten Charts dargestellt.



Bei Wachstumsaktien handelt es sich um erstklassige Unternehmen, die sich durch eine hohe Qualität auszeichnen. In der Regel agieren sie in Branchen, die langfristig Wachstum versprechen und relativ krisenresistent sind (z.B. Medizintechnik, Pharma, Konsum oder Biotechnologie). Darüber hinaus haben sie in ihren Segmenten häufig eine starke Marktposition oder Marke, die ihnen zu steigenden Umsätzen und Gewinnen verhelfen. Es handelt sich um keine kurzfristigen Modetrends oder „Eintagsfliegen“, sondern um langfristig stabile Wachstumsmärkte.

Auch wenn die Kursentwicklung einer Aktie kurzfristig von vielen meist nicht prognostizierbaren Faktoren beeinflusst wird, stellt die langfristige Gewinnentwicklung die entscheidende Triebfeder für weitere Kursanstiege dar. Die Investition des Vermögens in Qualitätsunternehmen macht sich in den meisten Fällen auf Dauer bezahlt. Insbesondere besteht dadurch die Möglichkeit, einen Vergleichsindex über mehrere Jahre zu schlagen. Dieser Zusammenhang wird im Folgenden anhand der Wachstumsunternehmen „Fresenius“ und „Nike“ über einen Zeitraum von zehn Jahren dargestellt.

Nike und Fresenius

Die beiden Unternehmen stehen stellvertretend für eine Reihe von Firmen (z.B. Visa, Gilead, Davita, Henkel oder Samsung), deren Produkte die Grundbedürfnisse vieler Meschen erfüllen. Zwar können sich auch diese Unternehmen allgemeinen Krisen nicht komplett entziehen, allerdings gehen sie häufig gestärkt aus diesen hervor und erreichen meist nach kurzer Zeit neue Kurshöchststände.

Die Vergangenheit ist nie ein Garant für die Zukunft, jedoch ist es äußerst unwahrscheinlich, dass ein langfristiger Trend plötzlich abbricht und ein Qualitätsunternehmen in existenzgefährdende Probleme gerät. Zudem stellt das Instrument der Diversifikation ein geeignetes Mittel dar, das Risiko im Zusammenhang mit einem Einzelunternehmen deutlich zu reduzieren. Empfehlenswert ist daher, zahlreiche Wachstumswerte aus verschiedenen Branchen und Ländern zu kaufen und dadurch das Risiko zu verteilen.

Bei Wachstumsaktien handelt es sich um einen auserlesenen Kreis von Unternehmen, die weltweit rar sind und eine tiefgehende Recherche erfordern. Die Identifikation solcher Unternehmen erfolgt auf Basis ausgewählter Kennzahlen und Indikatoren sowie allgemeiner Zukunftsaussichten. Auch wenn an der Börse nicht die Vergangenheit gehandelt wird, lohnt sich darüber hinaus ein Blick auf die vergangene Kursentwicklung, da sich darin auch die Qualität eines Unternehmens widerspiegelt. Zuletzt ist der gesunde Menschenverstand gefragt, ob und inwieweit die Produkte eines Unternehmens auch in Zukunft nachgefragt werden. Würden Sie folgende Fragen eher mit ja oder nein beantworten?

– Werden sich die Menschen noch in 10 Jahren die Zähne mit Zahnpasta von Colgate-Palmolive putzen?
– Wird es in Zukunft mehr Insulinkranke geben, die Medikamente von Novo-Nordisk benötigen?
– Werden in einigen Jahren immer noch Burger von McDonald´s gegessen?
– Werden künftig mehr Menschen Sehhilfen benötigen und damit auf Firmen wie Essilor angewiesen sein?

Auf der anderen Seite gibt es zahlreiche Unternehmen, die der Indexentwicklung langfristig deutlich hinterhinken und mit denen man weniger Geld verdienen konnte als mit dem Vergleichsindex. Die Gründe dafür sind vielschichtig. So genannte „Underperformer“ an der Börse agieren häufig in Branchen, die äußerst konjunkturzyklisch, wettbewerbsintensiv und teilweise schrumpfend sind. Häufig macht das Management signifikante Fehler, die die Unternehmensentwicklung negativ beeinträchtigen und das Vertrauen der Anleger zerstören.

Natürlich können solche Unternehmen kurzfristig auch einmal besser als der Vergleichsindex laufen, auf lange Sicht ist die Wahrscheinlichkeit jedoch hoch, dass sich auf diese Weise keine signifikant bessere Rendite als mit dem Markt erwirtschaften lässt. Beispielhaft werden die Unternehmen „Deutsche Bank“ aus dem DAX und „AT&T“ aus dem Dow Jones über einen zehnjährigen Zeitraum dargestellt. Die beiden Unternehmen gelten stellvertretend für viele weitere Unternehmen (z.B. Thyssen Krupp, HeidelbergCement oder Deutsche Lufthansa im DAX), mit denen sich im letzten Jahrzehnt deutlich weniger verdienen ließ als mit dem Vergleichsindex.

AT&T und DB

Beim Vergleich der Gewinnentwicklung zwischen Fresenius und der Deutschen Bank wird deutlich, warum sich beide Unternehmen derart unterschiedlich an der Börse schlagen. Während Fresenius eine stabile Gewinnentwicklung (gemessen am Gewinn je Aktie) über einen langen Zeitraum aufweist, zeichnet sich die Deutsche Bank durch stark schwankende Gewinne aus. Die Börse honoriert in der Regel jedoch diejenigen Unternehmen, die eine zuverlässige Geschäftsentwicklung vorweisen und nachhaltig konstant wachsen.

Entwicklung Gewinn je Aktie Deutsche Bank und Fresenius

Zusammenfassend versucht die Wachstumsstrategie ausschließlich in Qualitätsunternehmen zu investieren. Der Vorteil gegenüber einer passiven Anlagestrategie besteht darin, dass dadurch die Spreu vom Weizen getrennt wird und nur so an mehrjährigen Megatrends mit hohen Wachstumspotenzialen teilgenommen werden kann. Da eine Indexentwicklung auch von den Verlierern negativ beeinflusst wird, versucht man aktiv ausschließlich in die langfristigen Gewinner zu investieren. Zwar sind die Gewinner von heute nicht unbedingt die Gewinner von morgen. Starke Wachstumstrends können aber viele Jahre andauern. Die kurzfristige Beachtung von Quartalszahlen ist weniger wichtig als die langfristige Berücksichtigung der Erfolgsaussichten. Bei richtiger Umsetzung ist mit der Wachstumsstrategie über viele Jahre ein großes Vermögen entspannt und einfach aufzubauen. Zudem lässt sich die Strategie auch mit der Dividendenstrategie optimal verbinden.