Dividendenstrategie

Im aktuellen Niedrigzinsumfeld rücken Aktien, die eine hohe Dividende ausschütten, unweigerlich in den Fokus. Festgeldzinsen oder Bundesanleihen mit Renditen von unter einem Prozent können im Moment nicht einmal die Inflation kompensieren. In diesem Umfeld stellen Dividendenrenditen von teilweise bis zu fünf Prozent attraktive Verzinsungen dar. Daneben besteht bei guten Qualitätsunternehmen die Chance auf Kurssteigerungen, wodurch sich die Gesamtrendite eines Anlegers weiter erhöhen kann.

Gemäß dem Sprichwort „Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“ besteht der Vorteil in der Dividende jedoch darin, dass dieser Teil der Rendite im Gegensatz zu potenziellen Kurssteigerungen sicher ist. Während die Dividende auf das Konto des Anlegers fließt, können Buchgewinne bei Aktien, solange diese nicht realisiert werden, durch Kursrückgänge auch wieder aufgezehrt werden. Mittlerweile erkennen die Anleger daher, welche Rolle die Dividende vor allem langfristig in Bezug auf die Gesamtrendite eines Portfolios haben kann. Folgendes Beispiel illustriert diesen Zusammenhang eindrucksvoll:

– Investitionssumme: 50.000 Euro
– Angenommene Rendite des Portfolios p.a.: 7 Prozent
– Dividendenrendite vor Steuern: 3,5 Prozent
– Abgeltungssteuer und Solidaitätszuschlag: 26,4 Prozent
– Reinvestition der ausgeschütteten Dividende
– Anlagedauer: 25 Jahre

Anteil Dividende an Gesamtrendite

Die Investitionssumme von 50.000 Euro entwickelt sich nach 25 Jahren auf etwas mehr als 500.000 Euro. Knapp die Hälfte dieser Wertentwicklung ist auf die Dividende zurückzuführen. Die langfristige Wirkung entfaltet sich vor allem dadurch, dass die Dividende jedes Jahr wieder reinvestiert wird und somit ein Zinseszinseffekt entsteht. Der Anleger ist somit gut beraten, neben einer stabilen Wertentwicklung der Aktie auch auf eine attraktive Dividende zu achten.

Für den unerfahrenen Anleger erscheint es sinnvoll, die Unternehmen mit den aktuell höchsten Dividendenrenditen zu kaufen. Kurzfristig mag dies zu hohen Ausschüttungen führen, kann langfristig aber erhebliche Risiken mit sich bringen. Bei der richtigen Umsetzung der Dividendenstrategie gilt es daher einige grundlegende Dinge zu beachten.

Die Dividendenrendite ergibt sich als Verhältniszahl von Dividende pro Aktie und Aktienkurs. Folglich kann sich eine hohe Rendite auch durch einen stark gefallenen Aktienkurs ergeben, der nicht selten im Zusammenhang mit Problemen in der operativen Geschäftstätigkeit steht. Kauft ein Anleger in diesem Fall ein Unternehmen mit einer hohen Dividendenrendite, erzielt er zwar kurzfristig eine hohe Dividende, die jedoch durch einen in der Folge fallenden Aktienkurs überkompensiert werden kann.

Zudem zeigt die Praxis, dass diese Unternehmen in den Folgejahren ihre Dividenden aufgrund von Problemen in ihrem Geschäftsmodell deutlich kürzen. Als Beispiele lassen sich die Versorgeraktien E.ON oder RWE heranziehen. Beide Unternehmen weisen seit Jahren hohe Dividendenrenditen auf, obwohl die Dividenden kontinuierlich gekürzt wurden. Die Erklärung dafür liegt in den stark gesunkenen Aktienkursen, so dass sich trotz geringerer Ausschüttungen Dividendenrenditen jenseits der vier Prozent in den letzten Jahren ergaben. Statt 1,5 € für das Geschäftsjahr 2008 musste sich ein Aktionär von E.ON jedoch mit nur noch 0,6 € für das Geschäftsjahr 2013 begnügen. Zudem fiel in diesem Zeitraum der Aktienkurs von rund 30 € auf etwa 15 €.

Ein Dividendenstratege sollte daher vor allem Dividendenwerte kaufen, die jedes Jahr eine verlässliche Ausschüttung leisten. Eine attraktive Dividendenrendite ist sicherlich wünschenswert, genauso wichtig ist aber, dass die Dividende eines Unternehmens über viele Jahre kontinuierlich wächst. Die Suche nach solchen Unternehmen ist nicht einfach, aber man kann fündig werden. So zahlen zum Beispiel Unternehmen wie McDonald´s, General Mills, Hennes & Mauritz oder Altria seit Jahrzehnten ohne Unterbrechung eine Dividende. Dabei belaufen sich die Dividendenrenditen auf drei bis vier Prozent pro Jahr. Darüber hinaus konnten diese Firmen ihre Dividenden in den letzten zehn Jahren im Durchschnitt um etwa 10 Prozent pro Jahr steigern.

Auf der anderen Seite gibt es die Unternehmen, die zwar Dividendenrenditen von „nur“ ein bis zwei Prozent aufweisen, dafür jedoch in den letzten zehn Jahren ihre Dividende um durchschnittlich über 25 Prozent pro Jahr erhöhten. Beispiele hierfür sind die Firmen Coloplast, Stryker und Novo Nordisk. Werden die ausgeschütteten Dividenden reinvestiert, ergeben sich über die Jahre hohe Zinseszinseffekte. Kann ein Unternehmen seine Dividende jedes Jahr stetig erhöhen, entsteht daraus eine langfristig hohe Rendite- und Einkommenswirkung.

Ein Käufer von so genannten „Dividendenaristokraten“ kann seine individuelle Dividendenrendite über viele Jahre dadurch massiv nach oben schrauben. Der Zusammenhang wird im Folgenden am Beispiel der BASF AG aufgezeigt. Wir nehmen an, dass ein Anleger 200 Aktien der BASF AG im Jahr 2005 zu einem damaligen Kurs von rund 32 € kaufte. Dies ergibt ein Anlagevolumen von 6.400 € (= 200 Aktien * 32 €). Die Ausschüttung für das Jahr 2005 betrug 1,00 € je Aktie, was einer Dividendenrendite von 3,1 Prozent (= 1,00 € / 32 €) oder bezogen auf die 200 Aktien einer Gesamtdividende von 200 € (= 200 Aktien * 1,00 €) entspricht. Hält der Anleger die Aktien 10 Jahre lang, bekam er für das Jahr 2014 eine Dividende in Höhe von 2,80 € je Aktie. Bei einem Aktienkurs von rund 70 € Ende 2014 entspricht dies einer Dividendenrendite von etwa 4,0 Prozent. Die individuelle Dividendenrendite unseres Anlegers unterscheidet sich davon jedoch signifikant. Auf seinen damaligen Einstiegskurs von 32 € im Jahr 2005 ergibt sich bereits eine Dividendenrendite von 8,8 Prozent (= 2,80 € / 32 €). Insgesamt erhält er eine Dividende in Höhe von 560 € (= 200 Aktien * 2,80 €), was bezogen auf sein gesamtes Anlagevermögen von 6.400 € ebenfalls den 8,8 Prozent entspricht. Die Entwicklung der individuellen Dividendenrendite des Anlegers zwischen 2005 und 2014 zeigt die folgende Grafik:

Individuelle Dividendenrendite BASF

Mit Hilfe der Dividendenstrategie lässt sich ein Depot relativ krisenfest machen, da dieses dem Anleger selbst in turbulenteren Börsenzeiten regelmäßige Zahlungen sichert. Die Strategie liefert somit im Gegensatz zu den meisten passiven Anlagestrategien einen stetigen Einkommenseffekt, der im Rentenalter ähnlich wie bei einer vermieteten Immobilie zu einer Zusatzrente führen kann. Im Vergleich zur vermieteten Immobilie weisen die meisten Dividendenaktien über viele Jahre wesentlich höhere Wertsteigerungen auf und auch die jährlichen Dividendensteigerungen sind häufig höher als mögliche Mietsteigerungen. Letztere sind durch gesetzlich eingeführte Mietbremsen ohnehin stark gedeckelt worden.

Der Vorteil von den meisten US-Werten und anderen internationalen Unternehmen ist, dass die Jahresdividende über mehrere Zahltage (viertel- oder halbjährlich) ausgeschüttet wird. Deutsche Unternehmen schütten einmal im Jahr aus. Zusätzlich gibt es neben dem Kauf einzelner Aktien auch die Möglichkeit, so genannte Dividendenfonds zu kaufen, deren Fokus auf Unternehmen mit regelmäßiger und stabiler Dividendenausschüttung liegt. Hier gibt es mittlerweile auch Fonds, die monatlich an die Anleger eine Ausschüttung leisten.

Wie bei jeder Geldanlage ist auch bei der Dividendenstrategie eine möglichst breite Diversifikation zentral wichtig. Ein Portfolio, das sich aus zahlreichen Dividendenwerten in unterschiedlichen Ländern, Währungen und Branchen zusammensetzt, optimiert das Risiko. Auch lässt sich die Strategie mit der Wachstumsstrategie gut kombinieren, denn einige Wachstumswerte zeichnen sich ebenfalls durch eine zuverlässige und über viele Jahre stetig steigende Dividende aus.